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Roswitha Hecke
Secret Views
Fotografien 1964 bis heute

Schirmer und Mosel
2007
152 Seiten
€ 39,80 sFr 67,-


Von Alemanno Partenopeo am 03.03.2008

  „Am meisten interessieren mich Figuren am Rande der Gesellschaft", sagt Roswitha Hecke und von diesen Menschen hat sie in ihrem Leben schon viele getroffen und sie vom Rand ins Zentrum ihrer 6 x 6 Rolleiflex–Kameralinse gerrückt. Herausgekommen sind dabei viele Porträts von Straßenjungen in Hamburg, genauso wie von Christine Kaufmann, nackt hingetstreckt auf einem Fußboden in Tanger oder William S. Bourroughs an seiner „Machine Gun“ in New York. „Secret Views“, geheime Blicke, gibt den Blick auf Personen frei, die wir alle selbst schon einmal irgendwo gesehen haben und gerne näher kennen lernen würden, mehr wissen würden über David Bennent, der Blechtrommeljunge mit den großen Augen, oder die Schweizer Hure Irene, der Hecke 1978 einen ganzen Fotoband gewidmet hatte.
  Die Hafenkinder in Hamburg, Transvestiten in Paris oder Obdachlosen in der „Bowery“ werden in großformatigen S/W Bildern dargestellt und sollen kein Mitleid erregen, sondern einfach ihre Gesichter zeigen, uns anblicken. Was sie uns sagen wollen, bleibt dem jeweiligen Betrachter jeweils selbst überlassen. Seinen Gedanken und Interpretationen. Auch wenn die Sujets eindeutig mit System gewählt wurden: Hecke zeigt die Randesistenzen, Huren, Säufer oder Boxer, am bürgerlichsten sind noch ihre Schriftsteller, wenn das je jemand über ein Paul Bowles gesagt hat. Aber so bunt ihr Spektrum an Personen ist, so weit ist sie auch gereist. Die sich selbst als „genetische Nomadin“ bezeichnende Roswitha Hecke macht ihre Fotos sowohl in Mexiko, als in Luzern, in Island wie in Bochum, in Paris wie in New York. Die Retrospektive von Roswitha Hecke im Berliner Martin Gropius Bau zeigte bis 6. Januar 2008 eine Werkschau der heute 62-jährigen deutschen Fotografin, die keine Tabus kennt.
 
  Roswitha Hecke wurde 1944 als Tochter deutsch- russischer Eltern in Hamburg geboren. Nach Abschluss ihrer Fotolehre 1963 fotografierte sie Theaterinszenierungen und an Filmsets. Sie arbeitete mit Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder, Werner Schroeter und Peter Zadek. International erfolgreich wurde Hecke 1978 mit dem Bildband „LiebesLeben“ über den Alltag der Schweizer Prostituierten Irene.
 
  Ein einführender Text von Joachim Sartorius geleitet Sie in das fotografische Werk von Roswitha Hecke: „Alle ihre Fotografien verkörpern eine bestimmte Art des Sehens, führen uns also eine unmittelbare Vorstellung von Welt vor, weil die Bilder – die meisten von ihnen – aus unmittelbarer Beobachtung entstanden sind. Roswitha Heckes Beobachtung ist eine vorurteilslose, kühne, aber auch zarte.“ Und vielleicht fehlt es uns manchmal gerade an diesem zarten Betrachten und Roswitha Hecke kann es uns wieder erlernen...

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