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Wolfgang Bleier
Verzettelung

Otto Müller Verlag
2007
127 Seiten
€ 16,-


Von Rudolf Kraus am 03.03.2008

  Wolfgang Bleiers Prosaband “Verzettelung” folgt seinem vielbeachteten Debüterzählband “Der Buchmacher”. Nur findet im vorliegenden Band keine zusammenhängende Erzählung statt, sondern der Autor formt aus seiner Innen- und Außenwelt Satz- und Wortkreationen in höchster Verdichtung.
 „Verzettelung“ hat laut Duden (Deutsches Universal-Wörterbuch) mehrere Bedeutungen:
 
 ver|zet|teln [Iterativbildung zu mhd. verzettenÿ= aus-, verstreuen, verlieren, zu: zettenÿ= (ver-, aus)streuen, vereinzelt fallen lassen, ahd. zettenÿ= ausbreiten;
 1. a) planlos u. unnütz für vielerlei Kleinigkeiten verbrauchen, mit vielerlei Unwichtigem verbringen: seine Kraft, Zeit [an, mit etw.] v.; sein Geld v.;
  b) sich mit zu vielem [Nebensächlichem] beschäftigen, aufhalten u. dadurch nichts richtig, ganz tun od. nicht zu dem eigentlich Wichtigen kommen: du verzettelst dich zu sehr; sich in/mit seinen Liebhabereien v.
  2. (südd., schweiz.) zum Trocknen ausbreiten, ausstreuen: Heu, Stroh v.
 © Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 6. Aufl. Mannheim 2006 [CD-ROM].
 
  Bleier setzt nicht nur diese Bedeutungen im weitesten Sinne um, sondern er weitet sie noch aus, indem er aus einem großartigen Fundus an Wortgeschöpfen und Satzgebilden schöpft.
 
 „Ich habe mich ersäuft, die Gestalt einer ersoffenen Katze habe ich angenommen. Wind fährt in die Flügel meiner Mühle und treibt den Kopf an. In dicken Strichen wird Regen in die nächtliche Fresse gerissen, Menschen wird man auftrinken und aufessen.“
 
  Seine ungewöhnliche, sehr poetische Bildersprache, in die er Begriffe aus Alltag und Gedankenwelt als Metaphern setzt, ist kräftig; sie kann nicht nur nahe gehen, sie geht ganz bewusst einen Schritt weiter, sie kratzt an der Schmerzgrenze und trägt von Mal zu Mal auch apokalyptische Züge:
 
 „Gestern Abend noch stand ich mit beiden Beinen im Leben, heute aber schaue ich gestorben aus. (...) ich betrachte den Tod, der hält die Schöpfkelle in der Hand, auf dem Tisch dampft die Suppe.“
 
  Nichtsdestotrotz ist es auch ein Überlebensbuch, das aus den Tiefen der Seele konkludiert und mit realen, fiktiven und mystischen Bildern Welten entwirft, die sowohl vergangen als auch zukünftig sind oder sein werden.

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