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Don DeLillo
Gott der Träume

Kiepenheuer & Witsch
2007
Übersetzt von Frank Heibert
128 Seiten
€ 19,90


Von Volker Frick am 17.02.2008

  1936 als Sohn italienischer Immigranten geboren, etablierte sich Don DeLillo seit Erscheinen seines ersten Romans 'Americana' (1971) als professioneller Erzähler. Seine wahre Bedeutung innerhalb der nordamerikanischen Erzählkunst wurde allerdings erst mit Erscheinen seines achten Romans 'White Noise' (1985), für den er den American Book Award erhielt, evident. Die erste Monographie zu seinem bis dahin veröffentlichten Werk erschien 1987: Tom LeClair, 'In the Loop: Don DeLillo and the Systems Novel'.
  'Gott der Träume' ist das dritte Theaterstück von Don DeLillo (im Original 'Love-Lies-Bleeding'), und man kann es als Fortsetzung des Romans 'Körperzeit' lesen. Ein Theaterstück über das Ende des Lebens, und die Entscheidungen, die angesichts des Todes zu treffen sind. Die Bewegung eines Theaterstückes geschieht über die Dialoge der beteiligten Personen, Dialoge, die hier so unwirklich daherkommen, in toto, in der Gesamtschau des Stückes dann aber doch sinnig sind. Gesagt wird wenig, eher zeigt sich DeLillo hier als Meister der Auslassung. Da ist Alex, ein Künstler, der nach zwei Schlaganfällen im Koma liegt, und bis auf wenige Rückblenden nicht zu Wort kommt, und da ist seine derzeitige vierte Frau Lia, sein Sohn Sean aus erster Ehe und seine zweite Frau Toinette. Verhandelt wird hier das Sujet Sterbehilfe, aber DeLillo wirft keine Fragen auf, noch kommt er mit schwerem philosophischem Geschütz daher. Alex wird, nachdem intensiv diskutiert wurde, mit Morphium 'gefüttert' (daher der deutsche Titel).
  In diesem Dreiakter sagt Lia irgendwann „Ich weiß, dass Leute bei solchen Zusammenkünften Geschichten erzählen. Ich will das nicht. Die Leute erzählen Geschichten, tauschen Geschichten aus. Ich kenne keine Geschichten. Ihr wisst Dinge von ihm, die ich nie erfahren habe. Das bedeutet mir nichts. Es gibt keine Geschichten. Ihr seid aus dem falschen Grund hier. Wenn ihr hier seid, um sein Andenken zu ehren, dann ist das nicht sein Andenken, sondern euer Andenken, und es ist falsch. Es gibt keine Geschichten.“
  Schade nur, dass die Veröffentlichung dieses kleinen feinen Theaterstücks durch das Erscheinen des jüngsten Romans 'Falling Man' von DeLillo fast vollständig in den Hintergrund medialer Aufmerksamkeit gedrängt wurde.

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