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Guido Beltramini / Antonio Padoan (Hg.)
Andrea Palladio
Fotos von Pino Guidolotti

Hirmer Verlag
2008
Übersetzt von Barbara Geratz Matera und Klaudia Murmann-D`Amico
312 Seiten
€ 24,90


Von Alemanno Partenopeo am 08.02.2008

  Diese Sonderausgabe zum 500. Geburtstag von Andrea Palladio vereinigt im Format von 28,5 x 22 cm 253 Abbildungen in Farbe und 58 Grundrisse zwischen seinen Buchdeckeln und ist zur Hälfte des Normalpreises zu haben. Das Nachschlagewerk zum „bedeutendsten Architekten der Renaissance“ (Süddeutsche Zeitung) zeigt nicht nur die berühmtesten Kirchen wie die Redentore auf der Giudecca, sondern auch weniger bekannte Villen im Veneto, die nach Plänen Palladios entstanden sind. Der Betrachter erhalte eine „genaue Vorstellung“, da auch Querschnitte, Seitenansichten und Grundrisse der Bauten abgebildet werden. (FAZ) Wie die beiden Herausgeber in ihrem Vorwort betonen, sei der Hauptaspekt auf der bildlichen Repräsentation des Werkes Palladios gelegen und die Texte seien auf das Notwendigste beschränkt worden. Es werde damit der „Erhaltungszustand der insgesamt 66 Palladio zugeschriebenen Werke“ dokumentiert, was ein „in seiner Vollkommenheit und Einheitlichkeit nahezu beispielloses Unternehmen“ darstelle. Es wurden aber auch jene Werke in den Bildatlas aufgenommen, über die immer noch Zweifel bezüglich der Urheberschaft bestünden. Weiters wird eine von Almut Goldhahn erstellte Bibliographie zum Werke Palladios im Anhang abgedruckt, was ein weiterer bisher nicht gelieferter Beitrag zur Erforschung des Werkes des „bedeutendsten Architekten der Renaissance“ sei.
 
  Howard Burns schrieb für vorliegendes Buch ein kenntnisreiches Vorwort zu Palladios Werk, das ihn schon zu seinen Lebzeiten als umstrittenen Künstler zeigt. Den grundlegenden Unterschied zwischen Palladio und seinen Zeitgenossen sieht Burns darin, dass Palladio ein einheitliches Repertoire von Typen, Räumen und Formen für die Ordnungen verwendet habe. „Palladios Werk bezeugt die Zugehörigkeit zu einem Entwurfstil, innerhalb dessen die Grammatik aus Formen und Proportionen und ein geregeltes Vokabular an Motiven benutzt wurde.“ Natürlich stand auch er immer wieder vor neuen und ganz unterschiedlichen Aufgaben, etwa bei den Loggien der Basilica in Vicenza, beim Palazoo Chiericati, Teatro Olimpico oder bei seinen Kirchen und dem Rialto in Venedig. Der Großteil seiner Aufträge waren aber Palazzi und Villen auf dem Land, die sich in ihren Anforderungen ähnelten und so einen bestimmten Stil und eine „ordine palladiana“ erkennen lassen., so Burns. Durch seine Gespräche mit Trissino, einen nach heutigen Maßstäben als Romanist bezeichnenden Literaturtheoretiker, habe Palladio gelernt, literarischen Stil und linguistische Regeln auf die Architektur zu übertragen. Er könne deswegen auch als erster Exponent und Vertreter der „rationalen Architektur“ angesehen werden. Der „palladianische Baustil“ mit seinen hohen, tonnen- oder kreuzgewölbten Sälen, den breiten Loggien und den Säulenordnungen müsse seine Zeitgenossen überrascht, „wenn nicht sogar schockiert“ haben, schreibt Howard Burns. Am besten sei sein Stil bei den Kirchen San Giorgio di Maggiore und Il Redentore in Venedig repräsentiert und auch zu bewundern. Aber auch die Holzbrücke von Bassano del Grappa sei durch ihren leichten und eleganten Stil hervorzuheben, während sich das Teatro Olimpico, sein Spätwerk, nur durch eine gründliche Untersuchung erschließen lasse. Nicht zu unterschätzen sei auch sein Einfluss auf die Architektur von Nordeuropa und Nordamerika einige Jahrhunderte später.
 
  Wer sich also Appetit machen will auf seine nächste Reise nach Italien, kann sich mit diesem Werk schon einmal gut vorbereiten. Der Tisch ist reichlich gedeckt und sie sollten weder Vicenza, den Geburtsort des Architekten, mit seinem Teatro vergessen, noch die vielen Villen an der Brenta oder die Kirchen Venedigs. Ein ausgiebiges Studium der hier angeführten und in schönen Fotos repräsentierten Werke Palladios vor der Abreise, wird ihre Urlaubsreise zu einer Erlebnisreise werden lassen. Bestimmt wird es an einschlägigen Touren zum Geburtstag des Künstlers nicht fehlen und man braucht kein studierter Architekt zu sein, um diese Schönheit zu begreifen.

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