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Jochen Fornasier
Amazonen
Frauen, Kämpferinnen und Städtebegründerinnen

Philip von Zabern Verlag
2007
120 Seiten
€ 19,90


Von Alemanno Partenopeo am 02.02.2008

  Die Korenhalle des Erechtheions auf der Athener Akropolis zeigt die in Stein manifestierten Opferhandlungen der antiken griechischen Frau für die antike Gesellschaft: eine Stütze des Stadtstaates sollten sie sein, sich um das Haus und die Nachkommenschaft kümmern und ihre Eigenschaften sollten in Besonnenheit (sophorysne) und Einfachheit (aphelia) glänzen.
 
  Ein ganz anderes - geradezu konträres - Frauenbild verkörperten da die Amazonen: kämpfende, kriegerische Frauen, die sich sogar ihre Brüste weggebrannt hätten, um besser schießen zu können und keine männliche Gesellschaft um sich duldeten. Sie nahmen es in ihrem Mut und ihrer Kampfeslust sogar mit Herakles auf und scheuten keine Auseinandersetzung. Aber woher kamen diese Amazonen eigentlich? Wer waren ihre Väter? Wer ihre Mütter? Und: hat es sie wirklich gegeben?
 
  Die Geschichte von den weggebrannten Brüsten wird von Jochen Fornasier jedenfalls ins Reich der Legenden zurückgewiesen, da keine überlieferten bildlichen Darstellungen (etwa Vastenbilder) die Amazonen ohne Brüste zeigen würden. Auch wenn „a-mazos“ etymologisch „brustlos“ bedeuten würde und zumindest ihre Namensgebung damit erklärt werden könnte, tendiert der Autor eher zur Annahme einer Legende, die diesem Mythos zur Grundlage diene. Genauso wenige wie ihre Herkunft eindeutig bestimmt werden könnte (Libyen, Schwarzmeerküste u.a.) bleibt – wie der Autor schreibt -auch diese Frage (noch) im Dunkeln.
 
  Ins helle Licht getaucht wird hingegen die Ambivalenz der Amazonenfigur in der griechischen Antike: „Im Mythos spiegelt sich dieser Vorgang (die Zähmung der Frau, JW) in der ambivalenten Figur der Amazone wider, die mit allen Mitteln bekämpft und schließlich besiegt wird. Sie verkörpert aber zugleich die begehrenswerte Frau, in die sich selbst die größten griechischen Heroen verliebten. Auch im Mythos ist die Grenze zwischen Kampf und Erotik also fließend, so dass von ihm negative wie positive Aspekte gleichermaßen transportiert werden können.“
 
  Die Begegnungen berühmter griechischer Helden spielt sich aber nicht nur im Reich der Mythen und Legenden ab, sondern durchaus auch mit tatsächlichen Persönlichkeiten der Geschichte. Der Mazedonier Alexander soll der Amazonenkönigin Thalestris auf seinen Kriegszügen `gen Osten einmal begegnet sein und ihr persönliches Anliegen gerne erfüllt haben: „(...)als ob sie den Bauch voll bekommen habe, zog sie wieder fort“ (Pompeius Trogus XII 3). Eine für den Alexander-Mythos dramaturgisch wohl durchdachte Episode also, denn durch die Unterwerfung der Amazonenkönigin als Bittstellerin, wird das Ansehen Alexanders noch mehr gesteigert. Jochen Fornasier deckt nicht nur diesen Kniff der Legendenerzähler auf, auch die Ilias von Homer wird auf die Amazonenlegende hin geprüft und geknackt.
  Und auch in der Moderne hat der sagenhafte Ruhm der furchtlosen Amazonen deutliche Spuren hinterlassen, wie der Autor durch eine Erklärung der Namensgebung des südamerikanischen Flusses beweist. Ein Zeitzeuge wird zitiert, der von indigenen Frauen spricht, die sich den eindringenden Spaniern in nackter Bewaffnung entgegenwarfen und bis zum letzten Atemzug kämpften. Selbstverständlich auch dies nur eine Phantasie eines sexentwöhnten Dominikaners. Aber der Mythos lebt, sei es in der Person Jeanne d`Arcs oder in den Kriegerinnen von Dahomey. 59 Farb- und 1 S/W Abbildungen werden auch Ihr Herz erfreuen.
  Wer sich gern auch noch weiter visuell bilden möchte, dem sei der Dokumentarfilm von Wolfgang Wegner „Die Amazonen“ (2005) empfohlen, auf den sich auch der Autor dieses reich illustrierten und gut recherchierten Buches über die Amazonen bezieht. Im Zabern Verlag ist auch noch ein anderes Buch erschienen, das sich als „historischer“ Roman mit der Amazonenlegende beschäftigt, es nennt sich der „Flug des Greifen“ und stammt von Michael Pfrommer.

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