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Marlene Dietrich (1961-1992)
Gelesen von Franziska Pigulla und Iris Artajo

Deutsche Grammophon
2007
€ 9,99


Von Alemanno Partenopeo am 26.12.2007

  „Warum sind Ihnen diese Aufnahmen so wichtig?“, fragt ein Fotograf die Künstlerin einmal am Anfang ihrer Karriere und Marlene Dietrich antwortet ohne zu zögern: „weil ich dafür geboren bin“. Hier wird an der üblichen Heldenlegende gestrickt, dass wer etwas wirklich will, es auch erreicht. In Marlenes Fall war es allerdings tatsächlich so. Oder hat sie gar nicht das bekommen, was sie wollte? Für die Aufnahmen war sie zweifellos geboren. Das kann ihr niemand streitig machen.
  Der „Blaue Engel“ (1930) war ihr erfolgreichster Film und unter diesem Namen wurde auch ihr Charisma subsumiert: sie galt als unterkühlt, unbeteiligt und gleichzeitig voller Erotik und Sinnlichkeit. In den USA wird sie zur „größten Entdeckung des Jahrhunderts“ und bekommt einen Rolls Royce, 10.000 Dollar und zwei Dienstmädchen mit Haus von ihrem Studio geschenkt, als Begrüssungsgeschenk. Sie setzt auch hier auf „Künstlichkeit“, aber nicht im Sinne von „gekünstelt“, sondern im Sinne von „übersinnlich“, eine Femme fatale vom andern Stern, der nicht nur Regisseure, sondern auch Schauspieler und Publikum zu Füßen lagen. Gary Cooper oder Jean Gabin waren nur zwei der berühmtesten, viele andere Liebhaber hatten nicht einmal einen Namen, so will es die Legende, manche sollen auch weiblich gewesen sein.
  Als sie 1933 wieder nach Europa reist, wird sie in Paris beinahe wegen Transvestismus verhaftet. Es galt damals als strafbar, sich als Frau Männerkleider anzuziehen. In Wien trifft sie Willy Forst und in den USA erscheint derweilen „The Devil is a Woman“: eine Parabel auf die Beziehung zwischen dem Regisseur, Sternberg, und seiner Schauspielerin, Marlene Dietrich. „Ich war wie ein Schiff ohne Steuer“, sagt sie nach Ende der Beziehung mit Sternberg und gerade jetzt umwirbt sie auch ihr Heimatland (inzwischen: das Reich), da Sternberg als jüdischer Regisseur galt, der die deutsche Schauspielerin missbraucht habe. Marlenes Reaktion auf die Avanzen aus Hitlerdeutschland: sie beantragt die amerikanische Staatsbürgerschaft und unterstützt später auch amerikanische Truppen moralisch bei der Befreiung Deutschlands, was ihr viele bis heute nicht verzeihen können.
  Sie werden aber noch viele andere interessante Details über Marlene Dietrichs Leben erfahren und auch von ihrem ersten „Westernauftritt“, der eine neue Periode ihres Lebens einläuten sollte: endlich Amerikanerin!
  Die dazugehörige Monographie in Buchform ist übrigens beim Rowohlt Verlag erschienen und ebenfalls im Buchhandel erhältlich. Weitere Informationen und Hörproben finden Sie aber auch auf der Homepage der Deutschen Grammophon oder des Verlages.

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