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Johanna Sinisalo
Glasauge

Tropen Verlag
2007
Übersetzt von Elina Kritzokat
256 Seiten
€ 19,80


Von Volker Frick am 04.12.2007

  Eine finnische Autorin; und schon das zweite ins Deutsche übertragene Buch. Eine Fiktion, die jeden in der Medienwirkungsforschung involvierten Menschen interessieren sollte. Eine weibliche Hauptfigur, die in einem Team mitarbeitet, welches die Skripte kommender Sendungen einer laufenden Daily Soap fortschreibt. Und selbst wenn die Zwischentitel quasi als filmische Einblendung in diesem Roman fungieren, springt es nicht gleich ins Auge, aber was das Team da vollführt, ist nichts anderes als eine Daily Soap. Und wenn ganz en passant dann noch die Reflexion der Frage, was, wenn die Realität plötzlich als Wiederholung der Fiktion evident aufscheint, spätestens dann ist klar, hier hat Sinisalo mit, auch wenn's unzeitgemäß klingt, intellektueller Bravour einen Roman für ein Lesevergnügen der eher seltenen Art geschrieben.
  Johanna Sinisalo, 1958 geboren, ist eine finnische Marketing Designerin, die Ende der 80er, Anfang der 90er die Science Fiction-Szene ihres Heimatlandes zu dominieren begann. Gleichzeitig wird ihr nachgesagt die Grenzen dieses Genres gesprengt zu haben. Sie hat vier Romane und mehrere Dutzend Kurzgeschichten veröffentlicht, in Zeitschriften und Anthologien, zwei weitere Anthologien hat sie selbst als Heraugeberin betreut, davon eine englische über finnische „speculative fiction“. Und sie hat viel für das finnische Fernsehen gearbeitet, u.a. für die sehr erfolgreiche Daily Soap in Finnland. „Salatut elämät“ läuft seit dem 25. Januar 1999.
  „Glasauge“ als einen postmodernen Roman zu beschreiben, der die Metaebenen souverän verknüpft, wäre nicht ganz falsch, zumal es da noch kursiv gesetzte Einschübe gibt, die qua ihrer sprachlich immens lyrischen Eindringlichkeit schon hervorstechen (aus dem Buch Ijob), zumal das Gedicht „Der Spiegel“ von Jorge Luis Borges den drei Kapiteln des Buches vorangestellt ist, die tatsächlich mit 1. Akt, 2. Akt und 3. Akt überschrieben sind, oder die in Klammern gesetzten Kommentare am Ende einiger Szenen - dieser Roman ist aber auch eine kritische Würdigung des Mediums Fernsehen.
  Kurzweilige, im besten Sinne gehobene Literatur, die diesseits von Anforderung goutiert werden kann und dabei doch Aufforderung ist, mal aufzuschauen und abzusehen von diesem Schirm - wie flach das Bild auch sein mag. Der Klappentext spricht völlig zurecht von der „ultrareale(n) Psychologie der Figuren“.
  Neben ihrem ersten ins Deutsche übertragenen Roman „Troll“ (2005) sind 2006 zwei Kurzgeschichten in zwei Anthologien erschienen, deren Untertitel „Krimigeschichten aus Skandinavien“ und „Die spannendsten Weihnachtskrimis aus Skandinavien“ sind.

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