Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Heinrich Steinfest
Die feine Nase der Lilli Steinbeck

Piper
2007
346 Seiten
€ 12,- [D] 12,40 [A]


Von Rudolf Kraus am 09.10.2007

  Heinrich Steinfests zehnter Kriminalroman „Die feine Nase der Lilli Steinbeck“ ist ein recht ungewöhnliches Stück Literatur.
  Wobei ungewöhnlich in Steinfest’scher Manier in keinster Weise etwas Unerwartetes darstellt (als geübter Steinfest-Leser ist man auf Überraschungen vorbereitet). Im vorliegenden Fall aber ist es doch etwas verblüffend.
  Steinfest verlässt die gut gepflasterten Wege des Kriminalromans und lässt sich auf ein gewagtes, abenteuerliches Spiel ein. Da tummeln sich Ex-Spione, Agenten und Superreiche rund um eine außergewöhnliche Ermittlerin namens Lilli Steinbeck, die sich nicht nur durch ihre feine aber krumme Nase von allen anderen abhebt. Steinbeck ist Österreicherin, die in Stuttgart lebt, was aber weiter nichts zur Sache tut.
  Die auf Entführungen spezialisierte Kriminalkommissarin wird mit dem Entführungsfall des Zoologen Georg Stransky beauftragt und gerät in ein Spiel, in dem die entführten Männer nur Spielfiguren sind, die irgendwo in der Welt ausgesetzt werden. Menschenleben sind dabei so gut wie nichts wert, es geht für die eine Seite darum, die Spielfigur zu töten, und für die andere Seite, den Entführten lebend nach Hause zurück zu bringen. Damit ist auch der Spielverlauf bestimmt, der eben hier wie dort immer nur das eigene Ziel verfolgt. Ganz nebenbei stoßen die Protagonisten auf das geheime Marsprogramm der französischen Regierung, entdecken ausgestorben geglaubte Dronten (Kranichvögel, die nicht fliegen können) und verwenden Schusswaffen mit klingenden literarischen Namen wie Pessoa und Verlaine. Die ganze Welt als Spielbrett von superreichen Verbrechernaturen, die aber kultiviert zu philosophieren verstehen.
  Lilli Steinbeck ist als zentrale Gestalt dieses Romans nahezu unverwundbar, wie auch der rätselhafte, übergewichtige Detektiv Spiridon Kallimachos.
 
 In Steinfests Geschichte haben die Frauen das Sagen, Männer spielen meist nur eine untergeordnete Rolle (wie im richtigen Leben, was Steinfest schon längst begriffen hat):
  „Der Kleine fühlte sich wohl. Die beiden Frauen tranken Tee. In den anderen Zimmern standen Männer herum und wußten nicht weiter.“
  Steinfests Welt ist eine reale, obgleich skurril, provokant und philosophisch.
  „Die feine Nase der Lilli Steinbeck“ hinterlässt Spuren, die nicht zu übersehen sind: tote Menschen (vor allem Männer), verwüstete Landschaften und weiterführende Denkansätze; humorvoll, geistreich und spannend mit einer gediegenen Portion Ernsthaftigkeit.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.