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Ben Fong-Torres (Hg.)
The Doors by The Doors
Die einzige autorisierte Biographie der Band um Jim Morrison

Schwarzkopf & Schwarzkopf
2007
Übersetzt von Thorsten Wortmann
304 Seiten
ISBN-13: 9783896027856
€ 49,90


Von Alemanno Partenopeo am 30.09.2007

  Das Cover in glänzendem vinyl-schwarz gehalten, das Format in der Größe einer Langspielplatte, das Gewicht im Rahmen eines Sixpacks und darauf die zarte, gelblich schimmernde, bescheidene Aufschrift: The Doors. Was Sie hier in Händen halten ist nicht nur die einzige autorisierte Biographie einer der nachhaltigsten Bands der Sechziger Jahre, sondern auch ein Meilenstein in der Geschichte der Rockbiographien. Der Schwarzkopf und Schwarzkopf hat weder Kosten noch Mühen gescheut die 2006 erschienene amerikanische Originalausgabe auch den deutschen Lesern zugänglich zu machen. Mehr als 500 s/w und auch einige farbige Fotos ermöglichen uns einen detaillierten Einblick in die Geschichte einer der stilprägendesten Bands, die die Welt je gesehen hat. Und erzählt wird die Geschichte der Doors von keinen geringeren als den überlebenden Doors-Mitgliedern selbst. Der Herausgeber, Ben Fong-Torres, langjähriger Rolling Stone Journalist, hat sich zusätzlich aber auch noch die Mühe gemacht Familienmitglieder Jim Morrisons (seinen Vater, den Bruder und die Schwester) sowie von Morrisons Langzeitgeliebter, Pamela Courson (ihre Mutter Penny) zu interviewen. Weiters kommen natürlich auch andere Zeitgenossen Morrisons zu Wort, sowie im Vorwort auch die Nachgeboren Henry Rollins (Black Flag und Spoken Word Artist), Perry Farrell (Jane`s Addiction und Lollapalooza-Initiator) und Chester Bennington (Linkin Park) zu Wort.
 
  Am Anfang stand jene legendäre Begegnung zwischen Ray Manzarek, Sohn polnischer Einwanderer und rückkehrender US-Army Soldat aus Thailand, und Jim Morrison, Sohn eines Admirals der US-Seestreitkräfte, am Strand von Venice, California. Sie kannten sich schon von der Filmhochschule der UCLA und fanden sich bald im Sand wühlend und den Mond anheulend wider: „Let`s climb to the moon, ohooooo, let`s climb to the sun…“. Wenig später probten sie im Strandhäuschen von Ray gemeinsam mit Robbie Krieger (Gitarre) und John Densmore (Schlagzeug) die ersten Songs ein und begaben sich auf die Bühnen von Los Angeles, wo der schüchterne Sänger - vorerst - mit dem Rücken zum Publikum sang. 1967, also vor genau 40 Jahren, folgte die erste selfentitled Langspielplatte und wenig später drehte sich Morrison nicht nur auf der Bühne um, sondern präsentierte auch seine Weichteile dem neugierigen Publikum: die Tragödie von Miami bedeutete eigentlich schon das vorzeitige Ende der Band, 1969. Zwischen 1967 und 1969 aber hatte sich ein Bogen gespannt, ein Pfeil wurde abgeschossen und traf wenig später mit rasender Geschwindigkeit in sein Ziel: eine Badewanne in der Rue Beautreillis im Pariser Marais. Das war 1971. Und Morrison war bereits tot. Ertrunken in seiner Badewanne. Offizielle Todesursache: Herzversagen. Wahrscheinlich herbeigeführt durch eine Überdosis China White, ein besonders reines Heroin, das Pamela von ihrem Grafen hatte und versehentlich in ihrer Wohnung rumliegen hatte lassen. Aber das ist nur eine Theorie, wie sie etwa Philip Steele (siehe Rezension auf dieser Buchsite) darstellt. Ben Fong-Torres gibt in seiner Einleitung keine Hinweise auf Morrisons mögliche Todesursache, vielleicht weil auch er – wie viele andere – davon überzeugt ist, dass Morrison noch lebt.
 
  Und genau diesem Leben ist vorliegendes Buch eigentlich auch gewidmet. Denn auch die Doors machten weiter nach Morrisons Tod und veröffentlichten sogar noch zwei Platten in den Siebzigern. Anfang der 80er schwammen sie auf einer ersten Revivalwelle, dann kam der Stone Film, 1991, und schließlich 2002 die ersten Tournee mit dem neuen Sänger Ian Astbury von The Cult, der 2007 durch Brett Scallions (Fuel) ersetzt wurde. Alle diese Revival hatten zur Folge, dass Generationen von Jugendlichen immer noch die Doors hören und sie zu einer der einflussreichsten, also wie oben angedeutet auch nachhaltigsten Bands der amerikanischen Rockgeschichte gehören. Auch das scheint das Anliegen des Herausgebers und der Vorort-Schreibenden Nachgeborenen zu sein, dass die Doors auch ohne Morrison noch immer mehr als lebendig sind, wovon ich mich übrigens selbst unlängst in einer Buchhandlung in Venice, Italy überzeugen konnte, als zwei Minderjährige sich sämtliche Bildbände der Doors unter ihre Arme krallten und…davonrannten! So viel Einsatz für eine Band spricht nicht nur für ihre Fans, sondern auch für die Band selbst. Die „kriminelle Energie“, von der Rollins in seinem Vorwort spricht, ist also immer noch da, und die magische Musik der Doors verleiht auch heute noch Flügel. „Jim Morrison war gefährlich. Er war ein intellektueller und künstlerischer Anarchist.“ Und er war der erste Stagediver, was auch die junge Generation ihm gegenüber verpflichtet.
 
  Vorliegende Bandbiographie ist in 14 Kapitel unterteilt. Von den ersten Erfolgen bis zum Skandal von Miami und das kurzfristige Wiederaufflammen der Band durch ihr vorletztes Studioalbum mit Morrison, „L.A. Woman“ (1970) ist die gesamte Bandbreite der Entwicklung der Doors abgedeckt. Eines der letzten Kapitel widmet sich Jim Morrison „Als freier Mann in Paris“ (sic!). Gegenüber seinen Saufkumpanen Herve Muller und Yvonne Fuka soll er geäußert haben: „Ich bin 27 Jahre alt. Das ist zu alt, um ein Rocksänger zu sein.“ Sein Wort in Mick Jaggers Ohr. Jim Morrison schwebte eher das Leben eines „poet maudit“ vor und einige seiner Gedichte, die unter dem Titel „Wilderness“ (sehen Sie bitte eine Rezension dazu auf dieser Buchsite) nach seinem Tod erschienen, hatte er tatsächlich in Paris geschrieben. In einem Interview für die Zeitschrift „Circus“ hat er kurz zuvor noch auf die Frage nach seiner Lieblingstodesart geäußert: „Ich hoffe im Alter von 120 mit einem guten Sinn für Humor und in einem schönen bequemen Bett. Ich möchte nicht, dass jemand dabei ist. Ich will einfach leise dahingleiten“. Dieser letzte Wunsch Morrisons sollte in Erfüllung gehen. Wenn auch um fast 100 Jahre zu früh. KATA TON DAIMONA EAYTOY (Deutsch: „Gemäß seinem eigenen Geist“ oder „Seinem eigenen Dämon entsprechend“) ließ sein Vater, der Admiral, auf Jim’s Grabstein schreiben.
 
  Neben teilweise erstmals veröffentlichten Fotos finden Sie in vorliegender Megabio eine Auswahl-Bibliographie, eine komplette Diskographie und eine Audio- und Videographie. Alle diese Angaben beziehen sich leider nur auf die amerikanischen Ausgaben, es wäre interessant gewesen, auch eine Bibliographie aller auf Deutsch erschienenen Titel und deren Bezugsquellen aufzulisten.

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