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Hans-Joachim Löwer
Atatürks Kinder
30 Porträts der heutigen Türkei

Frederking & Thaler
2007
216 Seiten
ISBN-13: 9783894056810
€ 19,90


Von Alemanno Partenopeo am 09.09.2007

  „Wie sehen eigentlich die Türken Europa? Und wie sehen sie sich selbst?“ scheinen die Grundfragen dieses informativen und lehrreichen Reisebuches durch die Türkei zu sein. Egal ob in den multikulturellen Metropolen von Ankara oder Istanbul oder in kargen Gebirgen nahe der georgischen Grenze, Löwer hat mit vielen verschiedenen Türken gesprochen und darüber 30 Porträts angefertigt, die sich leicht und aufschlussreich lesen lassen und auch viele Denkanstösse über die EU-Reife der Türkei geben könnten. Wichtig ist es dem Autor auch einmal die türkische Perspektive auf Europa darzustellen und nicht nur die europäische auf die Türkei. Denn auch wir Europäer können etwas von den Türken lernen, nicht nur umgekehrt.
 
  Am 29. Oktober 1923 feiert die Türkische Republik ihren Geburtstag und damit wurde auch Ankara als neue Hauptstadt ausgerufen. Untrennbar ist damit natürlich der Name Kemal Atatürk verbunden, der nun schon seit fast 70 Jahren tot ist, aber im Alltag der Türkei lebendig bleibt, wie kein anderer. „Es gibt ungebildete Menschen, die im Namen der Religion sprechen“, soll Mustafa Kemal, genannt „Vater der Türken“ (Atatürk) einmal gesagt haben.
  Löwer findet auch in der Hauptstadt einen höchst lebendigen und interessanten Gesprächspartner, der sagt: „Politiker sind ihrer Partei verpflichtet, die Armee hingegen ihrem Land“. 88 Prozent der türkischen Bevölkerung wären nach einer Umfrage, die Löwer zitiert, derselben Meinung: das Militär sei die vertrauenswürdigste Institution im Land. 1960, 1971 und 1980 hatte das Militär geputscht, weil sie das Erbe Atatürks in Gefahr sahen. Viele glauben auch, dass sie das jederzeit wieder tun würde, wie der Gesprächspartner von Löwer in Ankara bestätigt. Die Frage nach der EU wird von diesem eher kritisch betrachtet: als Nachteil für die EU nämlich.
 
  Die einzelnen Porträts sind kurz und bündig geschrieben, aber jedes Mal interessant und aufschlussreich. So gelingt es Löwer ein lebendiges Porträt unseres Nachbarlandes zu gestalten, das immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Grund genug also, sich darüber etwas besser zu informieren und vorliegendes Buch als Einführung in die Türkei zu lesen. In vorliegendem Buch finden Sie auch einige der befragten Personen in Fotos – und nicht nur in Worten - porträtiert. Etwa den Instrumentensammler von Izmir, oder den Gastarbeiter aus Erzurum. Im mittleren des Buches gibt es dann noch einen Farbteil, der die bereisten Regionen illustriert und ihnen näher bringt.
 
  Hans-Joachim Löwer wurde 1948 geboren. Er schrieb als Auslandsreporter des Stern schon über Konflikte und Krisenherde in aller Welt. In den 90er Jahren leitete er Selbsthilfe-Projekte in Lateinamerika und Südafrika, schrieb Bücher und Reiseführer. Seit 1999 arbeitet er vor allem für National Geographic. Bisher ist von Hans-Joachim Löwer „Heilige Erde, unheiliges Land“, der Bericht einer Fußwanderung durch Israel und Palästina, bei Frederking & Thaler erschienen.

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