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Banksy
Wall and Piece

Publikat
2006
240 Seiten
€ 25,95


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Von Jürgen Weber am 14.04.2007

  Wer nicht in London lebt und trotzdem in den Genuss des größten noch lebenden Graffiti-Künstlers der Welt kommen möchte, wird über dieses Buch vor Jauchzen in wahres Entzücken verfallen! Das Buch für den anspruchsvollen Stadtbewohner beinhaltet mehr als 250 verschiedene Graffs von Banksy und auch eines mit ihm! Seine wahre Identität bleibt dennoch - nach wie vor - das bestgehütete Geheimnis des britischen Königreichs. Wenn man den Gerüchten glauben darf, handelt es sich auch tatsächlich um nur eine Person, die hier von der Polizei gesucht wird: nur Banksy himself vermag aus einem bloßen Müllcontainer ein Kunstwerk zu machen und adelt mit seiner bloßen „Unterschrift“, seinem Signé, zeitweilen auch einfache Verkehrsschilder oder -.ampeln.
 
  Ein paar Beispiele: auf einer Straßenlaterne befinden sich zwei Krähen mit Kabeln im Schnabel. In der Bildunterschrift des Buches ist zu lesen, dass sich die Leute erzählt hätten, dies diene der Überwachung der Bewohner Londons, in den Krähen seien Kameras versteckt und die würden jeden fotografieren, der sein Antlitz ihnen entgegenrecke. Subtext: lasted two weeks. Obwohl seine „Installationen“ eigentlich keinen stören, sondern eher als dankbare Erweiterungen des kognitiven Denkflusses des metropolitanen Engländers gelesen werden sollten, werden sie dennoch von dienstbeflissenen Organen der öffentlichen Ordnung entfernt und: vernichtet! Inzwischen, nachdem Banksy Kultstatus erreicht hat, vielleicht eher am Schwarzmarkt von denselben dienstbeflissenen Organen versteigert. Auch damit ist schließlich der öffentlichen Ordnung gedient.
 
  Banksy schafft, das wofür die Situationisten ganze Buchschwarten wälzen mussten: er stiftet einen neuen Kontext zu Dingen des Alltags und schafft so für Verwirrung, Aufklärung, Propaganda. Weniger enthusiastisch möge man sagen: er regt zum Nachdenken an. Meine Begeisterung lässt sich mit diesen Worten aber nur kaum im Zaume halten. Zu überschwemmend und überschäumend ist da die Spraydose am Werk und zaubert kleine Gedichte an zuvor leere und aschfahle Plätze. Ein schwarzes Loch an einer grauen Hauswand auf dem eine zerbrochene Fensterscheibe skizziert ist, aus der ein Fernseher fliegt. Gibt es etwas Poetischeres als dieses schlichtes Murial? Aber nicht nur, dass es poetisch wäre, ist es auch politisch. Die sogenannte „Broken Window Theory“ der Kriminologen Wilson/Kelling wurde in den späten 80ern und frühen 90ern für die zero-tolerance Politik des damaligen Bürgermeisters von New York, Rudolph Giuliani, verwendet. Die Theorie besagt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Vandalismus, Straßengewalt und dem Niedergang eines Viertels oder der Gesellschaft insgesamt gibt und wurde auch für den Kampf gegen Graffiti als Legitimationsgrund verwendet.
 
  „Brandalism“ nennt Banksy andere Sujets seiner Kunstform, die sich im zweiten Teil des vorliegenden Buches befinden. „Brand“ steht dabei für Markenprodukt und Banksy fordert dazu auf, die sog. „Markenzeichen“ zu verfremden und für sich in Beschlag zu nehmen. Da Werbung niemandem gehört und es niemanden Eigentums sei, schade es nicht, sie zu re-arrangieren oder neu zu verwerten und zu benutzen. „Asking for permission is like asking to keep a rock someone just threw at your head.”
 
  Zuguterletzt gibt Banksy (oder die Herausgeber des Buches) noch ein paar Ratschläge für den Hausgebrauch. Es sei immer leichter Vergebung zu finden, als die Erlaubnis für etwas zu bekommen. „Mindless vandalism can take a bit of thought.“ Ein guter Ratschlag auch für diejenigen, die glauben ein flotter Spruch sei schon ein echter „Banksy“. Mitnichten, nein! Es bedarf auch vorheriger Überlegungen, die grauen Zellen sind gefragt, die Deinen! Auch die Zielgruppe sei wohl gewählt: „Try to avoid painting in places where they still point at aeroplanes“. Und für alle diejenigen, die glauben Ruhm ernten zu können, gleich vorneweg: “Artwork that is only about wanting to be famous will never make you famous. Fame is only a by-product of doing something else. You don`t go to a restaurant and order a meal because you want to have a shit.” In diesem Sinne gesprochen: nehmen Sie sich Zeit zum „Essen“ und Gustieren. Die Wahrnehmungsperspektiven Ihrer Welt und Umwelt werden sich nach Genuss dieser „Mahlzeit“ mehr als nur verändern! Jede Minute eine kleine Revolution, so sollte das Leben immer sein. Nicht nur beim Umblättern der Seiten dieses Ouvres, ein ganz ganz großes GKW (GesamtKunstWerk), das trifft auf jede einzelne Seite zu.

 

 

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