Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Massimo Carlotto
Arrivederci amore, ciao

Tropen Verlag
2007
Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel
192 Seiten
18,80


amazon.de

 

 

Von Alemanno Partenopeo am 16.02.2007

  SPK: spannend, packend und knallhart. So ließe sich der Abkürzung für das Sozialistische Patienten Kollektiv, eine radikal-sektiererische Sekte der 70er, mit dem neuen Roman von Massimo Carlotto eine neue Bedeutung geben. Der Protagonist dieses italienischen Romans, Giorgio Pellegrini, ist nämlich sowohl krank als auch sozialistisch: er macht es allen seinen Feinden gleich. Krank ist er in dem Sinne, dass ein Makel auf seinem Namen haftet: linksradikale politische Agitation in den 70ern. Selbst seine besten Freunde kommen unters Messer oder besser in den Genuss eines Genickschusses: denn er will sich endlich in die normale Gesellschaft integrieren und sei es mit Gewalt. Dafür geht er auch über Leichen, selbst die von Frauen. Da macht der Macho keinen Unterschied. Er ist brutal, hart und unwiderstehlich. Zumindest benimmt er sich so.
  In einem halsbrecherischen Tempo wird hier eine Geschichte eines „Aussteigers“ erzählt, der zuerst gegen „das System“ agiert, um später selbst einer seiner schrecklichsten Vollstrecker zu werden. Der Roman hat sowohl tödliche Brisanz, als auch bitterbösen Zynismus, der einem das Lachen im Halse stecken bleiben lässt. Mit der Geschwindigkeit - mit der er wahrscheinlich geschrieben wurde - liest er sich nämlich auch. Es stockt einem das Blut in den Adern und die Geschichte wird immer unglaublicher, deswegen aber nicht weniger glaubwürdig. Giorgio Pellegrini will sich seine Freiheit erkaufen und dafür ist er zu allem bereit. Er verrät sowohl seine politischen Ideale, an die er ohnehin nie wirklich glaubte, als auch seine Freunde. „Ich klopfte ihm freundschaftlich lächelnd auf die Schulter und freute mich schon darauf ihn abzuknallen. (...) Ich war ein Mistkerl. Endlich hatte ich die Möglichkeit, zu den Gewinnern zu gehören.“
  Der Roman ist mit Frauennamen in Kapitel unterteilt: Flora, Francisca, Luana, La Nena, Roberta und Sie können von Glück sagen, wenn am Ende nicht jeder von diesen Namen von einem schwarzen Kreuz geziert wird. Denn es pflastern Leichen seinen Weg und es ist ihm egal, wenn es noch mehr werden sollten. Rücksichtslos geht er seinen Weg zur Integration in die normale Gesellschaft und dabei wird einem auch schnell klar, worauf der Autor eigentlich anspielen will: in dieser Gesellschaft kann man es nur mit Mord zu etwas bringen. Oder zumindest als Krimineller. Die Morde überlässt man den Mördern. Aber die Auftraggeber kennt keiner. Dieses Spiel hat Giorgio Pelligrini durchschaut und er macht es zu seinem Spiel. Ein Kriminalroman als Gesellschaftssatire. Massimo Carlotto wäre nicht der erste, der so eine geschrieben hätte. Aber keiner vor ihm hat es so gut gemacht. Spannend, packend und knallhart. SPK eben.
 
  Massimo Carlotto, geboren 1956 in Padua, ist einer der erfolgreichsten Krimi-Schriftsteller Italiens. Als Sympathisant der linken Bewegung wurde er in den 1970er Jahren zu Unrecht wegen Mordes verurteilt. Nach fünfjähriger Flucht und einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren wurde er 1993 begnadigt. Er lebt heute in Sardinien. Wer mehr über den Autor erfahren will, besuche seine Homepage: http://www.massimocarlotto.it/ oder lese seine anderen auf Deutsch erschienen Kriminalromane: Die Wahrheit des Alligators (1995), Die Schöne und der Alligator (1997). Eine gute Nachricht noch zum Schluss: die im Buch angesprochenen Otello-Pralinen gibt es wieder in der Zartbitter-Variante (natürlich nur in Italien). Ein kleiner Trost für Giorgio Pellegrini - und evt. auch den Autor - ihren Zorn auf die Gesellschaft zu besänftigen.

 

 

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.