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Rudi Dolezal / Hannes Rossacher mit Andrea Fehringer
Falco
Hoch wie nie

Kremayr und Scheriau
1998
263 Seiten
€ 15,90


Von Alemanno Partenopeo am 16.02.2007

  Eigentlich finde ich die Idee gar nicht schlecht, die Biographie eines Freundes in Romanform zu erzählen. Im vorliegenden Fall ist dies sogar so gut gelungen, dass ich diese „Romanbiographie“ wirklich empfehlen kann, auch wenn sie nicht mehr ganz aktuell ist und eventuell durch neue ans Tageslicht geförderte Erkenntnisse bereits falsifiziert worden sein könnte. Wie die beiden Autoren und die Autorin im Vorwort anmerken, ist vorliegendes Buch ja auch nur eine Version der Wahrheit, so wie es sich zugetragen haben könnte. Dass ihr Schützling, der Falco, dabei teilweise abstruse Gedankengänge in Kursivschrift und breitestem Wiener Dialekt von sich gibt, macht die Sache umso amüsanter und authentischer. Andererseits kommt er dabei auch nicht immer so gut weg und er wird als Opfer seines eigenen Images dargestellt, dessen Schizophrenie ihn schließlich auch in den Tod trieb. Oder zumindest in den Alkoholismus. Eine langwierigere Version des Freitods.
 
  „Als Falco ins selbstgewählte Exil in die Dominikanische Republik ging, gab es nur zwei ´Lebenslinien zur Heimat: einmal seine geliebte Mutter Maria und zum anderen DoRo. Denn Rudi Dolezal und Hannes Rossacher wussten mehr von Falcos Schaffen und Kreativität als seine Producer, seine Plattenchefs, seine Manager“, schreibt Hans Mahr am Buchrücken und wir sind versucht ihm zu glauben. Man hätte den beiden gar nicht so viel Humor zugetraut und schon gar nicht, einen solchen Roman über einen Freund zu schreiben. Hansi Hoelzel kommt dabei nämlich weniger gut weg, als die Kunstfigur Falco. Etwa wenn das Austropop- Benefizkonzert beschrieben wird und die Gedankengänge Falcos nachgezeichnet werden.
 
  Auf jeden Fall ist dieses Buch auch eine Variante dem einzigen „Helden von heute“ an seinem Todestage zu gedenken und ihn noch einmal hochleben zu lassen. Warum nicht sollte man das mit einer Prise Humor machen oder wie Falco sagen würde: „Er war Superstar/Er war so populär/Er war so exaltiert/Because er hatte Flair“ (...). Kein anderer hatte wohl so viel Humor wie Hoelzel selbst und dass ihm seine Rolle als Falco schließlich über den Kopf wuchs, ist ja nicht unbedingt seine Schuld gewesen. Am besten kommt dies in der Szene zum Ausdruck, als sie bei einer Feier im Oswald & Kalb erfahren, dass „Rock Me Amadeus“ auf Platz 1 in Amerika gelandet ist. Alle feiern ausgelassen und schreien „Wir sind Nr. 1 in Amerika“ und der eigentliche Star zieht sich aufs Klo zurück, ohne dass er von irgendwem vermisst werden würde und hält ein Zwiegespräch mit seinem Spiegelbild, seinem Alter ego: „Fünf Jahr´, die hab´ich jetzt durchd´ruckt auf tausend. Und jetzt bin ich auf einmal ganz oben. Viel weiter als ich jemals ´glaubt hätt´. Und über mir is nix mehr. Das war´s . Abwärts. Freunde. (...)“. Oder noch besser das Kapitel, in dem er sich mit (dem schon toten) Oskar Werner unterhält. „Es war schon schlimm genug, wenn sich ein Traum erfüllte, den man tatsächlich geträumt hatte. Denn dann macht sich an der Stelle, wo der Traum gelebt hatte, die große Leere breit, und man braucht einen neuen Traum.“ Dieser neue Traum sollte eigentlich die eigene Familie sein, die ihm dann auch nicht vergönnt war. Der „junge Römer“ ist schließlich allein und verlassen von allen auf der Landstraße gestorben. „It´s all over now, baby blue.“ Oder hat er doch den Rimbaud-Schmäh abgezogen und lebt noch, glücklich und zufrieden, endlich in „Ruh glassn von da Wöldt“? Einem wie ihm würde man es zutrauen, dass ihm der „Wiener Schmäh“ (und Charme) bis zuletzt nicht ausging. „Und tschüß!“

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