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W. A. Mozart
Leck mich im Arsch
KV 231

Deutsche Grammophon
2006
€ 14,90


Von Alemanno Partenopeo am 14.01.2007

  Wer würde sich besser eignen für die schmutzigen Seiten unseres Nationalhelden als die beiden Komiker Stermann/Grissemann? Richtig, Kurt Palm! Von dem werden Sie allerdings verzweifelt Zitate auf dieser CD finden, dafür aber umso mehr vom Original, Mozart höchstpersönlich. Was dieser an sein Bäslein, die Cousine, schrieb ist tatsächlich höchsthitverdächtiger Schweinkram und bringt uns den gefeierten Komponisten noch um einiges näher an unser einsames Herz als er durch die Mozartkugeln in unserem Magen ohnehin schon ist. Damit nicht genug, werden die Briefe auch noch mit einigen schönen Musikstücken aus der Feder Mozarts untermahlt, von der „Kleinen Nachtmusik“ einmal abgesehen, finden sich nämlich tatsächlich einige musikalische „Hits“ von Mozart auf dieser CD. Aber deswegen werden Sie sie nicht kaufen wollen, es interessiert Sie allein der angesprochene Schweinskram, oder?
 
  Schon der frivole Titel dieser CD bringt Mozarts andere Talente zum Vorschein: er war nämlich nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern ebenso ungnädiger Briefeschreiber mit Liebe zum Detail. Sein Bäsle Maria Anna Thekla wird die langen Wartezeiten zwischen den Briefen wahrscheinlich mit sehnsüchtigem Schokolade-Naschen verbracht haben, so wird das Lesen der Worte ihres Cousins sie verzehrt haben. Man denke nur wie lange es mitunter gedauert haben könnte, bis der nächste Brief unter den damaligen postalischen Verhältnissen eintreffen konnte und wie viel Schokolade das Bäsle in der Zwischenzeit wohl verzehrt haben mag. Oder hat sie sich etwaiig anderweitig vergnügt und ganz auf das Substitut verzichtet? Die Briefe sind jedenfalls alle im beigelegten Booklet abgedruckt und machen auch für die Französisch Unkundigen das Mitlesen zu einem Genuss. Keine Sorge, das meiste ist natürlich auf Deutsch, aber Mozart liebte es seine Worte zu verdrehen, verstellen und da eignet sich natürlich besonders das Französische zu. „Adieu, j`espére que vous aurés deja pris quelque lection dans la langeu francaise, et je ne doute point, que - - (…) Je vous baise vos mains, votre visage, vos genoux et votre - - afin, tout ce que vous me permettés de baiser. (…)“ Ach, wie wohlklingen Schweinskram auf Französisch doch klingt! Die weit schmutzigeren Passagen sind auf jeden Fall in Deutsch geschrieben, aber die will ich hier aus Gründen des Jugendschutzes lieber nicht zitieren. Obwohl: vielleicht könnte man unsere Jugend ja auf diese Weise für Mozart gewinnen? Wohltuend ist auch die Tatsache, dass sich das Komikerduo –mann bei dieser CD zurückgenommen hat und keine eigenen Späße unterbringt. Die können sich durchaus auch konzentrieren auf etwas, die beiden, obwohl das Französiche...Aber bitte, hören Sie selbst! Ich habe Sie jedenfalls gewarnt: nicht vor kleinen Kindern abspielen!
 
  „KV 231“ im Titel steht übrigens für Köchl-Verzeichnis, aber die Briefe ans Bäsle wird dieser wohl zu Lebzeiten nie zu Gesicht bekommen haben. Womöglich hätte er sonst seinen Job gar nicht mehr zu Ende führen wollen...

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