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Samuel P. Huntington
Kampf der Kulturen
(Clash of nations)

btb
1997
583 Seiten
DM 26,-


Von Bruno Hopp

  Das Buch ist eine breite Darstellung zum Thema: wie werden sich die Konflikte Ende des 20. Jahrhunderts und in den folgenden Jahrzehnten weltweit abspielen? Also Internationale Beziehungen, Außenpolitik spielen eine wichtige Rolle. Deswegen ist es aber IMHO noch lange nicht als "politik - wissenschaftliches" Buch einzuordnen.
  Die Thesen des Autors wurden 1993 erstmals in der Sommerausgabe in der Zeitschrift "Foreign Affairs" veröffentlicht unter dem Titel: "Clash of civilizations?", was eine der längsten und am schärfsten geführten Diskussionen in dieser und anderen Zeitschriften auslöste. Viel zitiert, bietet der Autor Perspektiven, warum in der Zukunft es wahrscheinlich mehr als heute Konflikte geben wird, die in kultureller Gegensätzen begründet sind. Als Leiter einer US-amerikanischen Forschungseinrichtung zur Außenpolitik ist jederzeit der US-Blickwinkel vorherrschend. Eine Synopse der weltweiten Konfliktlinien macht z.B. die Überbevölkerung in den ärmeren Staaten der Welt (die nicht notwendig zu den heute "Dritte Welt" genannten gehoeren!) und der zunehmende Radikalismus des Islam als starke Faktoren für neue Konflikte aus. Die wachsende Kopfzahl z. B. von China und Indien macht es schwierig für die heute fuehrenden Industrienationen, ihre Führungspositionen zu halten (in technologischer Hinsicht, im Bildungsbereich, in der Medizin etc.). Das hohe Bevölkerungswachstum des islamisierten Nahen Osten z.B. zusammen mit der innerhalb der letzten 15 Jahre verzehnfachten Anzahl islamischer Hochschulen gegenueber einer sinkenden Zahl öffentlicher Hochschulplätze, der absoluten Geringschätzung von Individualismus (in Form z.B. der Menschenrechte, wie in China), der Frauen und westlicher Regierungsformen machen fuer Huntington ein wichtiges Merkmal aus. In Zukunft wird Europa nur noch eine kleine Halbinsel sein, seine Bedeutung als Schrittmacher (von Bildung, von Wissenschaft und Forschung) wird sinken. Nordamerika wird einem ähnlichen Schicksal gegenüberstehen, da allein die Demographie für das Jahr 2050 eine etwa zu 30 Prozent nur spanischsprechende Bevölkerung unterstellt. Dahin also die Vorstellung einer Nation mit einer einheitlichen Sprache und einem idealerweise hohen Bildungsniveau...
  Das dickleibige Werk dieses Autors ist keine sozialwissenschaftliche Studie, will es auch nie sein. Die Tradition, ganze Kulturen zu vergleichen und zu versuchen, daraus Perspektiven fuer die eigene Zukunft abzuleiten, scheint durch die teutonische Griesgraemigkeit (wie bei 'Schwarzseher' Oswald Spengler etwa) auf ewig in den Orkus übelster Vorahnungen und tiefschwarzer Zukunftsbilder abgedriftet. Meiner Meinung nach bietet Huntington hier eine sehr anregende und sprachlich klare Darstellung. Viele Themen, die in der Tagespolitik weil unpopulär ausgespart bleiben, werden angesprochen (er spart auch nicht mit Kritik an der eigenen Regierung...). Ich würde dieses Buch am liebsten jedem Soziologie-/ Politikwissenschafts-/ Psychologiestudenten fuers erste Semester aufs Auge drücken - nach dem Motto: "schau mal, wofuer du spaeter deine Wissenschaft einsetzen willst."
  Ich persönlich fand es spannend, auch wenn es nicht die "Äktschn" eines Kriminalers oder eines Broesel-Comic erreicht. Wie immer: nur die Realität schreibt die härtesten Krimis...

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