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Vatsyayana - Wendy Doniger / Sudhir Kakar (Hrsg.)
Kamasutra
Das Original

Wagenbach
2004
Übersetzt von Robin Cackett, Wendy Doniger und Sudhir Kakar
€ 18,-


Von Alemanno Partenopeo am 21.12.2006

  Gerade mal noch 18.- Euro kostet diese mit Goldprägung und in feines Leinen gebundene Luxusausgabe des Kamasutra, des wohl ältesten Buches über Liebe der Welt. Die Reduktion des Preises von 32.- auf 18.- kommt gerade recht zu Weihnachten, damit auch Sie endlich eine schöne Bescherung unter dem Weihnachtsbaum finden.
 
  Der ursprüngliche Verfasser, Vatsyayana, legt auch die Gründe dar, warum gerade Frauen sein Buch lesen sollten. Auch wenn in der damaligen indischen Gesellschaft dies nur unter Strafe tun konnten (abgesehen davon, dass nur die wenigsten Sanskrit lasen), widmet Vatsyayana immerhin einen ganzen Abschnitt der Beratung von Jungfrauen bei der Suche nach einem geeigneten Ehemann. Es richtet sich also durchaus nicht nur an Kurtisanen, sondern auch züchtige Ehefrauen, die den richtigen Liebhaber finden wollen, auch wenn sie längst mit einem anderen Mann zwangsverheiratet wurden. Die Ehe schließt Abenteuer ja nicht zwangsläufig aus, eine zwar zweifelhafte Moralischvorstellung, nichts desto weniger umso praktiziertere.
 
  Der im Buch zitierte Anthropologe James Scott schreibt über manche dieser Frauen: „Der Unterschied zwischen der Kurtisane (veshya) und der Edelkurtisane (ganika) ist so groß wie zwischen Erde und Himmel.“ Eine mit den Schriften vertraute Edelkurtisane wurde gar „Lalitavistara“ genannt und waren auch als Dichterinnen in der damaligen Welt sehr bekannt und geschätzt. Eine solche Edelkurtisane wurde – laut Scott – sogar als Bereicherung des gesamten Königreichs angesehen. Insgesamt werden die Frauen im Kamasutra stärker differenziert als die Männer.
 
  Von diesen (Männer) gebe es nämlich nur zwei Gruppen, maximal vier, wie andere Autoren schreiben. Vatsyayana hingegen betont, dass es bei beiden Geschlechtern sehr starke indidviduelle Abweichungen gebe, auf die eben Rücksicht genommen werden müsse. Männer aber, die durch Verabreichung von Drogen junge Frauen gefügig machten, um sie nach einer begangenen Vergewaltigung zu einer Ehe zu zwingen werden auch von Vatsyayana verurteilt: „Die Schriften bezeichnen solche Männer als schändliche Leichenfledderer und schreiben für sie die Todesstrafe vor.“ Dass eine Rebellin wie etwa Phoolan Devi, eine von der westlichen Frauenbewegung geschätzte Widerstandskämpferin gegen das indische Patriarchat, diese dann eigenhändig vollzieht, war von den Schriften wohl nicht vorgesehen, umso bewundernswerter ihr Schritt zur Tat.
 
  Insgesamt – so schreiben die Herausgeber – begegne „das Kamasutra den Frauen mit verblüffender Sympathie, insbesondere wo sie unter untauglichen Ehemännern leiden. Natürlich können männliche Texte den Frauen auch scheinheilig Ansichten unterschieben, die in Wahrheit männlichen Interessen dienen. Doch das Kamasutra bringt an zahlreichen Stellen Auffassungen zum Ausdruck, die ganz offensichtlich Frauen begünstigen, insbesondere im Vergleich zu anderen Texten der Zeit.“
 
  Neben diesen hier zitierten sehr interessanten Einführungen in den Text, werden ihnen natürlich auch die Originaltexte vorgestellt, aus denen ich hier – verständlicherweise – nichts zitieren werde. Dieses Buch ist jedenfalls beiden Geschlechtern zu empfehlen, allein deshalb, damit die Interpretationshoheit des Mannes endlich gebrochen wird. Es lebe die selbstbewusste Frau!

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