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M. Blecher
Vernarbte Herzen

Suhrkamp
2006
Übersetzt von Ernest Wichner
150 Seiten
€ 14,80


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Von Volker Frick am 15.12.2006

  Der Autor wurde am 8. September 1909 in einer Provinzstadt im Nordosten Rumäniens geboren und starb im Alter von 29 Jahren am 31. Mai 1938. Im Jahr zuvor war sein zweiter Roman „Vernarbte Herzen“ erschienen, der nun, nach dem Roman „Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit“ (1936, dtsch. 1990), endlich auch auf Deutsch vorliegt.
  Als M. Blecher (der sich mal Marcel, mal Max L. nannte) aus der rumänischen Provinz in die Metropole Paris kam um Medizin zu studieren, erkrankte er, gerade mal 19 Jahre alt, an Knochentuberkulose, und so nimmt es nicht Wunder, das dieser Roman zuvörderst dieser Erkrankung geschuldet ist. Man könnte ihn darob einen Sanatoriumsroman nennen und sich an Thomas Mann (‚Der Zauberberg’ erschien 1924) erinnert fühlen, doch der zurückhaltende und zugleich präzise Sprachduktus ist Franz Kafka viel näher.
  Der Protagonist Emanuel findet sich mit anderen Leidensgenossen im Sanatorium in Berck wieder, einem Kurort an der Küste. „Wer hier gelebt hat, findet nirgends auf der Welt mehr seinen Platz.“ Den Torso eingegipst werden die Kranken auf Liegen in den Speiseraum gefahren, durch das Städtchen spazierengefahren, doch solcherart ruhiggestellt, wird selbst die Liebe von Emanuel zur genesenden Solange (!) zur Tortur. Die Empfindung, die wohl jeden Kranken anfällt: nicht Herr im eigenen Haus zu sein.
  Ein Roman des Schmerzes und der surrealen Bilder, ein Roman, der das individuelle Leiden als langsame Qual in und an der Zeit erzählt, und dies unmittelbar und ohne jeden Pathos. So bleibt diesseits aller Sentimentalität als Nachhall der Lektüre ein tieftrauriges Echo der Ausweglosigkeit des Leidens. Genau bedacht, kreist alle große Literatur um das Leiden (Dostojewskij, Kafka, Beckett). Ein wahrhaftiger Erzähler der Angst und der kalten Qual exzessiver Wahrnehmung. Seine Gedichtsammlung von 1934 mit dem evidenten Titel „Corp transparent“ lauert der Übertragung. Ein Klassiker, ergreifend, hilfreich und gut.

 

 

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