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Rudolph Herzog
Heil Hitler, das Schwein ist tot!
Lachen unter Hitler – Komik und Humor im Dritten Reich

Eichborn
2006
267 Seiten
€ 19,90


Von Alemanno Partenopeo am 24.11.2006

  „Führer befiehl, die Folgen tragen wir!“ ist nur eine Form des politischen Witzes die in der dunkelsten Zeit der europäischen Geschichte in Deutschland kursierten. Die Verballhornung der dumpfen Parolen der selbsterklärten Übermenschen war sicherlich auch die verbreitetetste Form. „Heil Du ihn doch!“ oder „HeilT Hitler!“ wie Achternbusch einen seiner Filme einmal nannte und ähnliche Witze über den „deutschen Gruß“ sind auch heute noch einigermaßen verbreitet.
 
  Die zentrale Frage ist selbstverständlich: darf man über Hitler überhaupt lachen ohne dabei den Schrecken des Holocaust und des Nationalsozialismus zu verharmlosen? Ja, man darf es. Denn gerade das Lachen über die Person Hitler, verhindert es, durch die von vielen Zeitgenossen angestrebte Dämonisierung des Diktators, die anderen deutschen und österreichischen Beteiligten zu entlasten. Es trifft nämlich weniger Hitler die Schuld am „Deutschen Reich“ und seinen Verbrechen, als vielmehr diejenigen, die ihn dorthin gebracht haben. Denn das ist eigentlich ja der wahre Schrecken: Hitler kam demokratisch an die Macht. Aber auch Rudolph Herzog beantwortet vorher gestellte Frage mit einem klaren „ja“, wie in seinem Schlusskapitel über Walter Moers „Adolf, die Nazi-Sau“ und Roberto Benignis „La vita e bella“ deutlich wird.
 
  Was erreichen wir mit der Interpretation der Witze, die während des Dritten Reiches kursierten? „Die Innenansicht des Dritten Reiches, die sich damit eröffnet, besitzt eine Authentizität, die man bei der Betrachtung anderer zeitgeschichtlicher Dokumente meist vermisst.“, so schreibt zumindest Rudolph Herzog in seiner Einleitung. Es folgen Abhandlungen über die Entstehung und Entwicklung des politischen Humors, die Phase während er Machtergreifung, Humor und Verfolgung, Humor und Krieg, Humor und Vernichtung. Das letzte Kapitel widmet sich dem Humor und Nationalsozialismus von der Nachkriegszeit bis heute. Es werden aber nicht nur Witze besprochen, sondern auch Filme und Kabarettprogramme der damaligen Zeit berücksichtigt, die sich in kritischer Weise mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzten. (Muliar und Gerron oder Chaplin und Lubitsch also inklusive)
  Das Buch hat auch viele Fotos, Karikaturen und Dokumente jener Humoristen und Kabarettisten abgedruckt, die sich getraut haben auch während der Diktatur Witze zu erzählen und den Menschen damit Trost spendeten, während der härtesten Zeit ihres Lebens. Oft sind es aber auch Witze der Betroffenen selbst, die ihre bittere Lage dadurch erleichtern sollte, dass sie überspitzt und zugespitzt wurde. Zu Lachen war oft der einzige Beweis, trotz all der Erniedrigungen, immer noch am Leben zu sein und damit Widerstand, gegen die Henker, zu leisten.
  Ein beklemmendes zeithistorisches Dokument an das sich der Autor mit genügend Behutsamkeit und Sensibilität herangemacht hat.
  Rudolph Herzog arbeitet als Regisseur und Drehbuchautor für ARTE, ARD; ZDF, NHK Japan und die BBC. International machte er sich mit dem Dreiteiler „The Heist“ einen Namen, der 2004 zur Hauptzeit im englischen Fernsehen lief. Rudolph Herzog ist Anglist und war Gastdozent an der Film- und Fernsehakademie Berlin. Sehen Sie www.rudolph-herzog.de für weitere Informationen.

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