Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Emmanuel Moses
Tanzender Staub im Sonnenlicht

Aufbau Verlag
2000
Übersetzt von Manfred Flügge
151 Seiten


Von Rudolf Kraus am 28.10.2006

  Der Großvater des Erzählers errichtet in der Sharon-Ebene bei Tel Aviv eine luxuriöse Villa, deren Räume von einem italienischen Innenarchitekten unterschiedlichst ausgestattet werden. Hier trifft sich zu den jüdischen Feiertagen die Familie, die als typisches jüdisches Schicksal über ganz Europa verstreut ist. Auch der Großvater und der erzählende Enkelsohn wohnten ursprünglich in Frankreich, jedoch entschied sich eines Tages der Großvater zum Groll eines Teiles der Familie nach Israel zu ziehen.
  In dieser Villa vermischen sich Kindheitserinnerungen und die Gegenwart, denn ständig suchen religiöse und karitative Bittsteller den wohlhabenden Großvater auf, um Spenden zu erbeten. Aber auch hochrangige Militärs und Politiker geben sich in Großvaters Haus ein Stelldichein.
  Der Erzähler berichtet aber auch von seinen ersten sexuellen Erlebnissen, von Marotten seiner Eltern und Verwandten, von seinen Übersetzungen und dem ersten Gedichtband, den ein kleiner Pariser Verleger herausbringt.
  Das Haus des Großvaters, in dem beinahe jedes Zimmer von der Sonne durchflutet ist, sodass selbst bei höchster Sauberkeit immer noch der Staub im Sonnenlicht tanzen wird, vereint in manchen Momenten Unvereinbares. Ein Rabbi, der im Swimmingpool seine Runden schwimmt, während kein weibliches Mitglied des Hauses den Garten betreten darf. Abgehobene Schmarotzer im höchsten Rang, die sich unverschämt gebärden. Bei gutem Wind duftet alles nach Orangen von den nahegelegenen Orangenhainen. Der Großvater, Patriarch und ein strenger und kräftiger Mann zahlt sukzessive seinen Tribut an das Alter und jeder weiß, wie das endet.
  Dieses Buch wirkt sehr persönlich und manchmal leise und beschreibt in seiner Fülle das weite und meist tragische Schicksal einer typisch europäisch-jüdischen Familie.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.