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Antje Rávic Strubel
Unter Schnee

dtv
2001
154 Seiten
€ 12,-


Von Rudolf Kraus am 15.10.2006

  Antje Rávic Strubels Episodenroman pfeift einem um die Ohren wie eine Schussfahrt über schwarze Pisten im Riesengebirge. Im Speziellen liegt der Handlungsort der dreizehn Episoden im tschechischen Wintersportort Harrachov. Die Figuren des Romans sind hauptsächlich deutsche Touristen, die zum Skifahren gekommen sind. Auch wenn im Laufe der Handlung das Skifahren etwas in den Hintergrund rückt, sei es, weil das Wetter verrückt spielt, oder eine zwischenmenschliche Sequenz davon ablenkt, so merkt und spürt man, dass die Autorin mit jeder Faser ihres irdischen Schriftstellerinnendaseins dem Skifahren hingebungsvoll verfallen ist. Denn wenn es um die Beschreibung einer Abfahrt oder um den Wechsel der Schneequalität auf und abseits der Pisten geht, dann explodiert geradezu die Sprache in viele kraftvolle Bilder und kurz gehaltene Dialoge, denen vor Anstrengung die Puste fehlt.
  Im Mittelpunkt steht die Liebe zwischen den beiden Frauen Evy und Vera, die nach einem Skiunfall aufgeflammt war, inzwischen aber am Abflauen begriffen ist. Dazwischen findet eine knappe Reminiszenz an den Mauerfall und die Revolution von 1989 statt, eingebettet in eine aktuelle Beschreibung der tschechischen Befindlichkeiten in Harrachov angesichts der wohlhabenden deutschen Touristen.
  Die gebürtige Potsdamer Autorin hat 2001 in Klagenfurt den Ernst-Willner-Preis erhalten, Unter Schnee ist ihr zweiter Einzeltitel.
  Die Sprache ist voller rasanter Bilder und kurzer Dialoge, durchbrochen von manch stillen poetischen Momenten. Wenn man dies so bezeichnen darf, dann würde ich diesen Episodenroman als echt zeitgenössisch bezeichnen und damit auch jener jammervollen Kritik gegenüberstellen, die die Fülle ostdeutscher Aufarbeitung und Seelenschau als eintönig bezeichnen. Denn das ist dieser Text schon gar nicht.

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