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Franz Peter Waiblinger (Hrsg.)
Rom
(2003)

Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt
2006
290 Seiten
€ 25,90


Von Alemanno Partenopeo am 13.10.2006

  „Hauptstadt der Welt“, „die ewige Stadt“, oder weniger schmeichelhaft „Kloake der Menschehheit“ (Seume) wurde sie schon genannt und die Ansichten über die heutige nur mehr italienische Hauptstadt gehen nicht immer so weit auseinander, aber immer öfter. Während Paris übereinstimmend als „schöne Stadt“ empfunden wird, herrscht über Rom doch mehr Uneinigkeit als man bei einer italienischen Stadt erwarten würde, sind doch die meisten Städte Italiens ebenso übereinstimmend als Wunderwerke der Kunst und Kultur zu bezeichnen.
  Das eingangs von Seume (1763-1810) stammende Zitat bezieht sich denn auch nicht auf die Stadt selbst, sondern vielmehr auf die Unordnung unter den Menschen: „keine Polizei, keine Justiz“ und „schrecklichste Anarchie“, wo selbst die Kardinäle „ in dem schändlichen Kredit als Beschützer der Verbrecher“ stehen.
  Im scharfen Gegensatz dazu steht die „Liebeserklärung“ Wolfgang von Koeppens (1906-1996): „ (...) auch ich liebe sie, liebe die alten Götter, liebe die Schönheit, die, lange in der Erde verborgen, wieder ans Licht kam (...), aber noch mehr liebe ich Rom wie es lebt, wie es ist und mir sich zeigt, ich liebe seinen Himmel, Jupiters unergründliches Meer, und ich denke, wir sind versunken, sind Vineta, und droben über dem Element, das uns umschließt, ziehen auf blendender Woge nie von uns gesehene Schiffe, und der Tod wirft sein unsichtbares Netz über die Stadt, ich liebe die Straßen, die Winkel, die Treppen, die stillen Höfe, mit Urnen, Efeue und Laren und die lauten Plätze mit den tollkühnen Lambrettafahrern, ich liebe das Volk am Abend vor den Haustüren, seine Scherze, seine ausdrucksvollen Gesten, seien Begabung für die Komödie, sein Gespräch, das ich nicht verstehe, ich liebe die rauschenden Brunnen mit ihren Meergöttern, Nymphen und Tritonen, ich liebe die Kinder (...).“ Koeppen setzt seine Liebeserklärung noch über eine weitere Seite fort und sie beinhaltet alles, was man über das aktuelle Rom sagen kann. Alles?
  Wenn Sie darin nicht alles finden, suchen Sie es in den Zitaten der anderen Autoren: von Vergil bis Montaigne, von Humboldt bis Flaubert, Fellini bis Nizon, Zola bis Adler, Grillparzer oder sogar Poe, Nietzsche oder Wilde, Platen oder Dante finden Sie viele zeitgenössische und auch vergangene Zeugnisse über die „Hauptstadt der Welt“, die „ewige Stadt“, die Zentrale und Wiege des Christentums und unserer gesamten abendländischen Kultur.
 
  Franz Peter Waiblinger, geboren 1944, lehrt Didaktik der Alten Sprachen an der Universität München, schreibt in der Süddeutschen Zeitung, arbeitet als Übersetzer und hat auch das Buch „Venedig-Ein literarischer Reiseführer“ in derselben Ausstattung und beim selben Verlag veröffentlicht. Bitte sehen Sie die Rezension dazu auch auf dieser, unserer, Buchseite.

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