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Empar Moliner
Verführung mit Aspirin
(2004)

Wagenbach
2006
Übersetzt von Theres Moser
138 Seiten
€ 9,90


Von Alemanno Partenopeo am 03.10.2006

  Dieses Buch ist 2004 erstmals in Spanien auf Katalanisch erschienen und die Ausgabe des Wagenbachverlages ist die deutsche Erstausgabe. Die zehn hier versammelten Kurzgeschichten geben einen guten Einblick in die Themenkreise dieser jungen katalanischen Autorin: von den Therapiestunden gelangweilter Ehepaare wird ebenso direkt und schonungslos erzählt, wie von Teenagern in der Sinnkrise.
 
  Ihre Figuren sind einfache Charaktere aus dem Bürgertum, zumeist gelangweilte Paare, die sich in einer Beziehungskrise befinden. Der Humor ist knapp und trocken und Empar Moliner scheut auch nicht davor zurück, die Dinge beim Namen zu nennen: so werden auch gerne Kraftausdrücke der Gossensprache verwendet oder das Erbrochene eines Babys auf dem Kleid einer Besucherin einfach auch Kotze genannt. Das oft betuliche Verhalten der Bourgeoisie, wenn sich zwei befreundete Ehepaare zum Dinner in einer der Wohnungen der anderen treffen, wird in einer so absurden Weise übertrieben, dass einem das Lachen auch gerne mal im Halse stecken bleibt. Hat man sich nicht oft selbst schon so verstellt, jemandem einen Gefallen getan, obwohl man es eigentlich gar nicht wollte, aber es gesellschaftlich eben so vorgesehen ist oder verlangt wird? In der Geschichte „Wie man lernt, Wein zu verkosten“ werden Sie dieses Verhaltensmuster jedenfalls zum Abgewöhnen finden.
 
  Eine weitere mit dem Titel „Die schlechte Qualität der zeitgenössischen Poesie“ trifft, hinsichtlich Schriftstellerei oder eben Poesie, sprichwörtlich ins Schwarze. Ein selbsterklärter Poet legt sein Gedicht seinen Freunden so lange vor, bis es nur mehr aus einem Zweizeiler besteht. Auch hier wird man des schwarzen Humors der Katalanin gewahr und fragt sich: ist katalanischer Witz lustiger als der vielzitierte britische? Zum Abschluss noch ein Zitat aus „Vorteile einer Gruppenreise“ gefällig?
  Nach einem kurzen Dialog zweier Ehepartner über Verstopfungsprobleme auf Reisen, schreibt Moliner: „Er seufzt. Es beruhigt ihn immer zu wissen, dass auch seine Frau nicht konnte. Er lächelt. Sie schüttelt den Kopf und schnalzt mit der Zunge. Sich zu umarmen wäre gezwungen, ja sogar unangebracht, aber dieses Lächeln jetzt tut gut.“
 
  So sollten auch Sie sich denken: beim nächsten Beziehungskrach eine Kurzgeschichte von Moliner lesen und danach lieblich lächelnd zum Versöhnungsakt im Bett einschlafen. Wie schön kann Liebe sein!
  Empar Moliner wurde 1966 in Barcelona geboren, wo auch ihre Geschichten spielen und sie selbst auch gerne lebt. Für ihren Roman „Salon Feli“ erhielt sie den Premio Josep Pla.

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