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Stefan Slupetzky
Das Schweigen des Lemming
Lemmings dritter Fall

Rowohlt
2006
282 Seiten
€ 8,90


Von Alfred Ohswald am 21.09.2006

  Lemming, eigentlich Leopold Wallisch, verdient sich zur Zeit sein Geld als Nachtwächter im Tiergarten Schönbrunn. Ausgerechnet als er die Schicht eines Kollegen übernimmt, findet er einen erhängten Pinguin mit einem Zettel voller Zahlen im Schnabel, offensichtlich eine verschlüsselte Nachricht. Noch eigenartiger wird die Geschichte, als er von einem reichen Gönner des Tiergartens den Auftrag bekommt, den Täter aufzuspüren.
  Die Verdachtsmomente weisen Anfangs immer mehr auf den Kollegen, der sich vom Lemming vertreten lassen hat. Der ist unauffindbar und es stellt sich heraus, dass nicht nur der Lemming hinter ihm her ist. Misstrauisch geworden, beginnt der Lemming seinen etwas dubiosen Auftraggeber zu verdächtigen. Aber noch hat er nicht die geringste Ahnung, was mit dem ermordeten Pinguin bezweckt werden sollte. Die verschlüsselte Nachricht kann der Lemming zwar als Telefonnummer entschlüsseln, was ihm aber in der Folge auch nicht wirklich weiterbringt. So stöbert er ziemlich hilflos im Leben eines ungustiösen Politikers, bei seinem wohlhabenden Auftraggeber herum und landet schließlich sogar in der Kunstszene.
 
  Stefan Slupetzkys neuer Krimi hat einen berühmten Kriminalfall als Vorbild, der sich jedoch kurz vor der Fertigstellung des Romans aufklärte. Damit steht die fiktive Handlung in „Das Schweigen des Lemming“ im offensichtlichen Widerspruch zur Wirklichkeit. Stefan Slupetzky hat sich davon nicht beirren lassen und das ist in diesem Fall ein Gewinn für die Leser.
  Der dritte Roman um seinen Helden Lemming ist eindeutig ausgereifter als seine beiden Vorgänger. Der intelligente Humor ist subtiler und zurückhaltender eingesetzt. Slupetzky entwickelt sich hier zum Meister gelungener und hintergründiger, oft auf mehreren Ebenen passender Bilder und Metaphern. Obwohl der Roman in recht lockerem Stil erzählt wird, steckt offensichtlich viel Gedankenarbeit in manchem Wortspiel und „Sager“.
  Auch die Krimihandlung ist geschickt konstruiert und Slupetzky verzettelt sich auch nicht zum erzählen. Mit „Das Schweigen des Lemming“ hat er sich eindeutig in die Spitze der österreichischen Krimiautoren hineingeschrieben.

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