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Dan Simmons
Fiesta in Havanna
(The Crook Factory, 1999)

Goldmann
2000
Übersetzt von Joachim Körber
574 Seiten
DM 28,- öS 204,-


Von Alfred Ohswald am 02.04.2000

  Im Sommer 1942 kommt der Schriftsteller Ernest Hemingway mit der Idee eines Amateurspionagerings zur Amerikanischen Botschaft in Kuba. FBI-Chef Hoover schickt seinen Agenten Joe Lucas hin, um die Sache und Hemingway im Auge zu behalten.
  Lucas kann nicht recht verstehen, warum er als hochqualifizierter Profi zu diesem skurrilen Spektakel geschickt worden ist. Die bunt zusammengewürfelte, "Gaunerbande" genannte Gruppe dilettiert ziemlich uneffektiv herum und Hemingways Versuche, mit seiner Jacht ein deutsches U-Boot zu entern erscheinen noch absurder. Lucas freundet sich langsam mit dem Schriftsteller an und bald kommt ihm der Verdacht, daß die nur eine Nebenrolle in einem viel größeren Spiel spielen.
  Ein ermordeter deutscher Funker und ein Teil eines codierten Funkspruchs scheint sie ein Stück weiter zu bringen. In einer spektakulären Aktion bringen die das zur Entschlüsselung nötige Buch an sich und erfahren so den Inhalt des Funkspruchs. Zwei deutsche Spione sollen von einem U-Boot an einer einsam gelegenen Stelle an Kubas Küste abgesetzt werden. Zusätzliche Sorgen macht ihnen eine junge Prostituierte, die sich bei der Ermordung des Funkers in einem Nebenzimmer aufgehalten hat und von ihnen vor der kubanischen Polizei versteckt wird.
  Als sich Hemingway und Lucas in der Nähe der angegebenen Landungsstelle auf die Lauer legen, bekommen sie aus der Entfernung nur mehr mit, daß die beiden Deutschen gleich nach der Landung erschossen werden. Bei den Leichen finden sie einige, hochbrisante Papiere der deutschen Abwehr.
  Sie fangen weiter Funksprüche ab und entschlüsseln sie, aber es sind auch welche mit einer anderen Verschlüsselungsmethode dabei, die sie nicht knacken können. Lucas wird immer mißtrauischer und macht sich daran, auch diesen Schlüssel zu finden.
 
  Dan Simmons entwickelt sich immer mehr zum Allrounder. Nachdem er sich schon einen Namen als Schreiber von ausgezeichneten Horrorromanen gemacht hatte, ging er mit den vier Science Ficton-Romanen um "Hyperion" und "Endymion" schon sehr erfolgreich fremd.
  Mit "Fiesta in Havanna" liefert er einen im 2. Weltkrieg spielenden Spionagethriller ab, dessen Handlung auf vielen realen Geschehnissen aufbaut. Wobei sich die fiktive Handlung oft viel plausibler liest, als die manchmal ans Surreale grenzenden historischen Ereignisse. Und auch in diesem, für ihn neuen Genre hat Simmons ein bemerkenswertes Buch geschrieben.
  Am Anfang geht es zwar etwas zäh in der Handlung vorwärts, aber er gewinnt fast unmerklich an Tempo und Spannung und gegen Ende überstürzen sich Ereignisse und die Spannung des Lesers, die Auflösung des Rätsels zu erfahren, wird ebenfalls gekonnt gesteigert.
  Am Ende des Buches reklärt der Autor in einem Nachwort, welche im Roman beschriebenen Dinge sich tatsächlich ereignet haben. Mit diesem Buch hat er sich durchaus mit Carré, Forsyth und den anderen Größen des Spionagethrillers auf eine Stufe geschrieben.

Von Johann F. Janka am 08.11.2000

  Während des 2. Weltkrieges (1942) wird FBI Agent Joe Lukas vom FBI Direktor J. Edgar Hoover persönlich nach Kuba gesandt um den U.S. Staatsbürger und Schriftsteller Ernest Hemingway bei seinem privaten Feldzug gegen deutsche U-Boote zu beobachten und Hoover über einen Mittelsmann laufend Bericht zu erstatten. Hoover verdächtigt Hemingway Kommunist zu sein und sieht in ihm eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten von Amerika. Lukas wird Hemingway von der Amerikanischen Botschaft in Havanna (vom Botschafter Braden persönlich), offiziell als Berater für sein Vorhaben mit seiner "Gaunerbande", eine bunt zusammengewürfelte Gruppe gleichgesinnter, deutsche U-Boote aufzuspüren und auch zu bekämpfen, zur Seite gestellt. Obwohl sich die Begeisterung Hemingways, einen "Spitzel der U.S. Behörden", wie der Schriftsteller ihn bezeichnet, in Grenzen hält, muss er ihn schließlich akzeptieren um die offizielle Genehmigung und Unterstützung der U.S. Botschaft in Havanna zu erlangen.
  Joe Lukas ist ein Special Agent des Federal Bureau of Investigation, ein mit allen Agentenwassern gewaschener Topspion und Killer, der beim Töten für die "gute Sache" schon mehr als einmal erfolgreich war und nun den Auftrag hat, Hemingways Vertrauen zu erlangen, ihn auszuspionieren und wenn nötig an den Galgen zu liefern. Bald aber schon stellt sich heraus, dass der Schriftsteller einen viel größeren Eindruck auf ihn macht als er das je hätte erwarten können. Fasziniert beobachtet der FBI Mann Hemingways Leben und Engagement und er ertappt sich dabei, dass er den vermeintlichen Kommunisten zu bewundern beginnt. Empfindungen die sich ein Topagent nicht leisten darf und welche ihn dann auch tatsächlich in ein Wirrwarr von gefährlichen Problemen stürzen. Der FBI Agent wird immer mehr in Hemingways Bann und Aktionen gezogen und findet wiedererwarten sogar Gefallen an des Schriftstellers Idee den deutschen U-Booten in den Gewässern vor Kuba, also in geringer Entfernung zu den USA, den Kampf anzusagen.
 Die Handlung der Geschichte findet hauptsächlich auf Hemingways Anwesen der "finca" nahe Havannas und auf der „Pilar“ dem Boot Hemingways (eine seiner großen Leidenschaften), statt.
 
  Obwohl man versucht ist zu meinen, dass Dan Simmons mit diesem Werk hauptsächlich dem Schriftsteller Ernest Hemingway huldigt, liefert er mit "Fiesta in Havanna" aber ebenso eine nicht nur spannende Spionagegeschichte, sondern auch interessante Einblicke in diverse Machenschaften innerhalb und zwischen den verschiedenen Geheimdiensten dieser Zeit.
 Die manchmal tollpatschige Art Dan Simmons’ mit zwischenmenschlichen Beziehungen und erotischen Situationen umzugehen, wird mit der Idee der Geschichte, sowie mit dem wirklich gelungenem Finale, mehr als kompensiert.
 Mit "Fiesta in Havanna" ist dem Autor Dan Simmons alles in allem ein interessanter und spannender Spionageroman gelungen, welcher allen Erwartungen dieses Genres gerecht wird. Empfehlenswert!

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