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Daniel de Roulet
Ein Sonntag in den Bergen

Limmat
2006
Übersetzt von Maria Hoffmann-Dartevelle
124 Seiten
€ 15,-


Von Alemanno Partenopeo am 09.07.2006

  Ein weiteres Geständnis eines weiteren Ex-68ers. Aber dieses Mal berührt es wirklich. Daniel de Roulet hatte vor 30 Jahren „an einem schönen Sonntag in den Bergen“ das Chalet Axel Springers in den Schweizer Bergen in Brand gesteckt. Was ihn dazu trieb, seine Tat doch noch zu gestehen und welchen bitteren Geschmack die Rache Axel Springers in seinem Mund hinterlässt, wird hier erzählt.
  An den Anfang möchte aber ich – wie der Autor selbst – das Zitat des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers stellen: „Ich weiß nicht, ob es Ihnen so geht wie mir, Tag für Tag bekämpfe ich das, wofür ich mich als junger Mensch engagiert habe“. Wer mit diesem Satz etwas anfangen kann, der muss weiter lesen. Wer mit diesem Satz nichts anfangen kann, der soll so schnell wie möglich seine versäumte Jugend nachholen.
  Daniel de Roulet ist - so wie viele andere seiner Generation - gegen die Gesellschaft und das etablierte System. Die Nachkriegsgesellschaft bietet zwar „volle Kost“ was Nahrung und Kleidung betrifft, auch für Erziehung und Gesundheit wird von Vater Staat gesorgt, die anderen Bedürfnisse des Menschen werden aber vernachlässigt. Deutschland (und auch Österreich) ist ein Obrigkeitsstaat in dem ehemalige Nazis immer noch mitreden dürfen oder sogar noch das Sagen haben. So wird es von vielen Angehörigen der jungen Generation jedenfalls empfunden. Und diese jungen Menschen wollten etwas dagegen tun, sie wollen sich gegen die Verbrechen ihrer Väter auflehnen und ihnen die Stirn bieten.
  Als Feindbild Nr. 1 kristallisiert sich bei vielen Studenten Axel Springer heraus: mit seiner „Bild“-Zeitung wird er als Hauptverantwortlicher für die Hetze gegen die Studentenbewegung und den versuchten Mord an Rudi Dutschke gebrandmarkt. Was liegt da näher, als „etwas tun zu wollen“?
  Dieses „etwas tun“ manifestiert sich in den mannigfaltigsten Formen: Demonstrationen, Teach-Ins, Kaufhausbrandstiftungen, Fabriksbesetzungen, Unistreiks und vieles andere mehr. Aber Daniel de Roulet wollte mehr „tun“. Er wollte dem von vielen zum „Protagonisten des Systems“ stilisierten Springer Schaden zu fügen, selbstredend nur finanziellen, keinen physischen Schaden. Und so beschloss er eines Tages - mit seiner damaligen Lebensgefährtin - das millionenteure Chalet Springers in Brand zu setzen. Um sich etwas zu beweisen. Um der Welt etwas zu beweisen. Und vielleicht auch: um seiner Freundin etwas zu beweisen.
 
  Ein beeindruckendes Buch, das Sie unbedingt lesen sollten, um ein Stück Zeitgeschichte besser verstehen zu lernen. Daniel de Roulet, geboren 1944, hat lange Zeit als Architekt und Informatiker in Genf gearbeitet, bevor er zum Schriftsteller wurde. Für seine Romane ist er in Frankreich mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet worden.

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