Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Leopold Federmair
Ein Fisch geht an Land

Otto Müller Verlag
2006
172 Seiten
€ 18,-


Von Rudolf Kraus am 02.07.2006

  „Ein Fisch geht an Land“ erzählt von einer Wohngemeinschaft (WG), die in Bern angesiedelt ist. Diese WG beherbergt Evelyn, eine Krankenschwester und ihre Tochter Rigoberta, die Journalistin Jasmin und den dazugehörigen Ehemann Mustafa sowie den computer- und fresssüchtigen Konrad.
  Wohngemeinschaften (in den Sechziger Jahren auch Kommunen genannt) haben eine recht junge Geschichte, aber wer vom Land in die Stadt zum Studieren, Arbeiten oder sonst etwas gegangen ist, hat fast zwangsläufig damit Erfahrung gesammelt.
  In diese WG dringt ein seltsamer Gast namens Kave (Kaffee) ein, ein staatenloser, hellbrauner Vegetarier, der offenbar aus dem Orient entstammt. Die Wohngemeinschaft ist schon etwas eingerostet und Kave bringt die BewohnerInnen mit Gedichten und eigenwilligen Lebensansichten ein wenig aus der Routine. Jedes Mitglied der WG erzählt seine Erfahrungen mit Kave, der sich ja – wie man manchmal selbst erfahren hat – in die Wohngemeinschaft „eingenistet“ hat, aber gleichzeitig auf die Mehrheit eine Faszination ausübt.
  Kave ist ein Sonderling, gleichzeitig ein Magier, ein Geheimnisträger, R4-Fahrer und wie sich herausstellt: potentieller Selbstmordkandidat.
  Leopold Federmair gibt seinen Figuren eine sprunghafte, zeitenwechselnde Sprache, die sehr authentisch wirkt. Als Rezensent mit WG-Erfahrung muss ich zugeben, dass dieses Buch sowohl Entzücken als auch Schaudern bei mir ausgelöst hat, da so manche Erinnerung geweckt wurde.
  „Ein Fisch geht an Land“ ist phasenweise anstrengend zu lesen, weil es eben von einer Authentizität getragen wird. Dazwischen liegen die eingestreuten Verse und Gedichte, die wie Inseln in der Aare wirken und zur kurzen Rast einladen.
  Es bietet sich an, dieses Buch zweimal zu lesen, um alle Nuancen und Feinheiten in, zwischen und hinter den Zeilen zu verstehen.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.