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Eugen Fink
Die alten Griechen
Was ist was, Bd. 64

Tessloff-Verlag
2001
48 Seiten
€ 8,90


Von Richard Niedermeier am 29.06.2006

  Die Vermittlung der Antike gewinnt in unserem Bildungssystem wieder eine größere Bedeutung. Einen sehr guten Einstieg in die Alte Welt für Kinder (und selbst noch für Jugendliche) bietet das von Gerhard Fink verfasste „Was ist was“ Buch „Das alte Griechenland“.
  Fink wählt die richtige Art des Vorgehens, wenn er schon einleitend darauf hinweist, dass das antike Griechenland unsere herkömmlichen Vorstellungen von einem Staat und seiner meist kohärenten Geschichte sprengt. Griechenland, das war mehr eine Pluralität von Ideen, ein Wettbewerb von einzelnen Stadtstaaten, die gerade in dieser eigenwilligen Situation das Höchste hervorgebracht und das grundgelegt haben, was wir Abendland nennen. Der Verfasser greift diese historische Einmaligkeit auf, indem er gerade dem geistigen Griechenland, also seinen Mythen, seinem Götterglauben, seiner Philosophie, seiner Kunst, dem sportlichen Wettkampf und der demokratischen Idee Athens sein Hauptaugenmerk widmet. Natürlich ist ein solches Buch weder eine Philosophie- noch eine Architekturgeschichte. Auf den Überblick kommt es Fink an, auf die großen Linien, die dem jungen Leser helfen, sich in den Verwinkelungen der griechischen Kultur und Historie zurecht zu finden. Gelungen z.B. mit wie wenigen und zugleich sehr feinen Strichen er die Gestalt des Sokrates charakterisiert! Dabei hat Fink immer seine junge Leserschaft vor Augen, die wohl die Ohren spitzt, wenn es heisst, Sokrates habe die Jugend zu kritischen Fragen ermuntert und sei gerade deshalb als Jugendverderber zum Tode verurteilt worden.
  Nach den entscheidenden Motiven sucht Fink auch, wenn es um das Perikleische Zeitalter und den Absturz in den Peloponnesischen Krieg geht. „Den Spartanern geht eher die Luft aus als uns“ – es sind solche einfachen, aber das Wesentliche spiegelnden Sätze, die ganz langsam die verborgene Dramatik der Geschichte aufbauen, um sie dann in überraschenden Geschehnissen („was er [Perikles] nicht vorhersehen konnte, war eine Epidemie…“) zu entladen.
  Die Griechen waren immer über sich selbst hinaus; die beiden letzten Kapitel („Griechen an Indiens Grenzen“ und „Griechen am Nil“) machen dies deutlich. Als Griechenland von der Bühne der Weltgeschichte abtritt, gibt es sein Erbe zur Symbiose mit dem Orient weiter und formt so die hellenistische Kultur, die sogar den Welteroberer Rom erfassen wird. Aber auch für diesen, in seinen Dimensionen in einem solchen Buch kaum adäquat zu beschreibenden Prozess findet Fink noch bemerkenswerte Zwischentöne: Alexandrien, so vermittelt er, war nicht nur geistige Größe und gewiss kein multikulturelles Utopia; es gab Spannungen unter den Volksgruppen, und das hitzige Stadtleben ließ eine unbefriedigte Sehnsucht nach Naturidylle, Überschaubarkeit und Schlichtheit hochkommen, die die Dichtung und die Kunst jener Spätzeit geprägt hat. Die Realität der Metropole und der Traum von Arkadien – das schärft den Blick der Kinder für die Perspektivität unseres historischen Bewußtseins und für die Vieldimensionalität der geschichtlichen Wirklichkeit.
  Gerhard Fink ist mit dieser Mischung aus Information und historischer Bewußtseinsbildung ein großer pädagogischer Wurf gelungen!

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