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Tom Reynolds
I hate myself and I want to die
Die 52 demprimierendsten Songs aller Zeiten

Schwarzkopf & Schwarzkopf
2006
Übersetzt von Ilja Braun
272 Seiten
€ 14,90


Von Alemanno Partenopeo am 19.06.2006

  Für jede Woche des Jahres ein Song zur Depression. 52 Stück der verschiedensten Genres der Musikgeschichte finden Sie in diesem fetten Band von Reynolds, damit Sie das ganze Jahr nicht aus der Depressionsstimmung rauskommen. Natürlich ist das ganze mit einer gehörigen Partie Humor gesalzen und so können Sie sorgenfrei dieses Buch auch am Stück genießen, eventuell sogar in 52 Stunden?
  Wenn es Sie wirklich packt, dann beginnen Sie doch einfach mitten drin und suchen Sie einfach nach Ihrem Lieblingssong. Sicherlich als DER Klassiker des Depro-Songs in die Geschichte eingegangen ist „Love will tear us apart“ von Joy Division, nicht zuletzt deswegen, weil sich der Sänger der Band, Ian Curtis, kurz darauf – mit 23 Jahren - selbst erhängt hat. Sowas nennt man dann einen konsequenten Rockmusiker. RIP. Der Name der Band („Abteilung Freude“) geht übrigens auf die Sexsklaven in den Konzentrationslagern der Nazis zurück. Die Band verbreitet allerdings alles andere als Freude: Entfremdung und Desillusionierung gehören zu den wichtigsten Themen des Repertoires von Joy Division. Nicht nur sein zerrüttetes Eheleben, sondern auch seine epileptischen Anfälle auf der Bühne verschafften Ian Curtis und seinem „Androiden-Bariton“, wie Reynolds schreibt, einen sicheren Platz im Himmel der Selbstmord-Songs.
  Auch „The End“ von den Doors findet Erwähnung in Reynolds „schwarzer Liste“ und Jim Morrison kommt dabei gar nicht gut weg. Der Song sei so einfach und langweilig, dass ein jeder ihn nachahmen könnte und die Lyrics mehr als durchschnittlich, die nur durch den Vortrag des Oberschamanen Morrison eine gewisse Bedeutung zukam. Noch dazu die fehlenden Akkorde: immerzu derselbe und nur im ödipalen Klimax des Songs wird der d-Moll kurzzeitig unterbrochen und das „kill, kill, kill“ im Song mit dem damit verbundenen Skandal macht Euch zu Rockstars. „Jim Morrisons größtes Talent bestand darin, jede Zeile, die er irgendwann aufs Papier rotzte, besonders tiefsinnig erscheinen zu lassen.“ So Reynolds.
  Dann noch „Seasons in the Sun“: wer würde dahinter einen tiefsinnigen Song vermuten? Tatsächlich geht es um die Geschichte eines Todkranken, der sich vom Krankenhausbett von seiner Familie und Freunden verabschiedet. Der Song wurde von Jacques Brel höchstpersönlich verfasst, bekannt wurde er aber vor allem durch die Version von Terry Jacks. (Seine Band „The Poppy Family“ wr die kanadische Version der amerikanischen „Carpenters“. ) „We had joy, we had fun, we had seasons in the sun,...“, beweist, dass auch traurige Songs fröhlich daherkommen können. Wenn nur einer auf die lyrics hören würde, käme ihm das kalte Grausen das Rückenmark raufgeschlichen....
  Weitere Erklärungen finden Sie auch zu „The River“, „Comfortably Numb“, „All by myself“, etc. Die Zwischenüberschriften: „Ich starb als Teenie bei einem Autounfall“ oder „Ich blase Trübsal, also bin ich“, sowie die Illustrationen von Stacey Early unterbrechen die aufmunternden Aufsätze von Reynolds für eine kurze Atempause und machen einen mit den verschiedensten Selbstmordarten vertraut. „Warum der Song deprimiert“ ist eine der häufigsten gestellten Fragen und Reynolds verfügt über genügend Humor und auch Feingefühl die brennendsten Fragen listenreich zu beantworten.
 
  Tom Reynolds ist Schriftsteller und Fernsehproduzent. Er hat den Dokumentarfilm „The Wild Ride of Outlaw Bikers“ produziert und schrieb das Begleitbuch zum Film. Er produzierte auch TV-Shows und war technischer Leiter des „Groundlings Comedy Theater“. Außerdem ist er Musiker und hat in mehreren Jazz-, Blues- und Rockbands gespielt. ER lässt sich gerne mit Gitarre und einem schwarzen Raben abbilden und lebt in der City of Angels, Los Angeles.

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