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Bruce Sterling
Distraction

Bantam Spectra
1998
DM 14,03


Von Till Westermayer

  Sterlings neustes Werk reicht nicht ganz an die Qualität von Holy Fire heran, ist aber doch sehr lesenswert geschrieben. Es geht um die USA des Jahres 2044, und um Oscar Valparadiso. Der ist der Adoptivsohn eines berühmten Holywood-Schauspielers, in Wahrheit aber ein Klon aus einer illegalen kolumbianischen Kinderproduktionsfabrik mit einigen speziellen Eigenschaften.
  Oscar arbeitet als Kampagnenmanager für einen Senator. Das Buch begleitet Oscar und seine Crew vom Wahlsieg des Senators bis zum Bürgerkrieg in East Texas.
  Es geht um eine geodäsische Kuppel, die das wichtigste Genforschungslabor darstellt, um einen Wahlkönig von Louisiana, um die Wende vom biotech-Paradigma hin zum neuro/kognitiven, um jede Menge politische Intrigen, um Informations-, Desinformations- und sonstige Public Relationsarbeit, etc. etc. Das Ende ist eher unerwartet.
 
  Nett ist neben einigen speziellen Stellen vor allem die parodistisch- übertriebene Darstellung der USA, in der "Anglos" als unterdrückte Minderheit ihre roots in Europa suchen, in der die Regierung eigentlich nicht mehr besteht und das Capitol besetzt ist, in der durch die Klimakatastrophe heimatlosgewordene Techno-Nomaden als Tribes organisiert quer durch die Lande ziehen, und in der der US-Präsident Two Feathers den Krieg mit der führenden europäischen Finanzmacht Holland erklärt. Ach ja - und eine große Liebesgeschichte gibt es auch.
  Dem Buch fehlen allerdings einige der wirklich genialen Ideen, die den Reiz von Holy Fire ausmachten. Das mag am weit verbreiteten Politik-und- Intrigen-Thema liegen, das von Sterling handwerklich sauber und detailverliebt wie immer ausgeführt wird - und mit teilweise recht bissigen Seitenhieben auf die derzeitige politische Philosophie. Vielleicht ist das Buch aber auch zu sehr auf Amerika zugeschnitten.

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