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Heinrich Steinfest
Ein dickes Fell

Piper
2006
603 Seiten
€ 15,50 [A]


Von Rudolf Kraus am 18.05.2006

  „Ein dickes Fell“ ist der dritte Fall des einarmigen Detektivs Markus Cheng (ein echter Wiener übrigens mit rein optischen Zügen eines Chinesen, der kein Wort Chinesisch spricht, hingegen wienerisch denkt und handelt) und seinem Hund Lauscher, der inzwischen Windeln trägt, meistens schläft, aber alles in allem zu einem philosophischen Hund mit dickem Fell gereift ist.
  Heinrich Steinfest hat mit diesem Buch ein Opus magnum geschaffen und dies bezieht sich nur beiläufig auf 603 Seiten Umfang. Er verbindet mehrere Geschichten miteinander, lässt ein „Wiener Paralleluniversum“ entstehen, das einen unglaublichen Detailreichtum aufzuweisen hat. Und weil nun mal der Teufel in den Details steckt, geht es etlichen handelnden Personen an den Kragen, was bei Steinfest fast immer eine letale Wirkung nach sich zieht.
  Im Mittelpunkt des Romans steht ein original Fläschchen 4711, jenes berühmte Echt Kölnisch Wasser, das wahre Wunder bewirken soll.
  Es vergehen viele Seiten, bis Markus Cheng in die Handlung eintritt, aber die Vielfalt an interessanten Typen lässt einen das vorerst gar nicht merken. Denn Anna Gemini, die Killerin mit behindertem Sohn Carl und der kleine Gott Kurt Smolek, Beamter des Landes- und Stadtarchivs, sowie der norwegische Botschafter in Kopenhagen und seine wunderschöne Frau spielen allesamt wesentliche Rollen in diesem Kriminalroman.
  Dass das Gasthaus „Adlerhof“ im siebenten Wiener Gemeindebezirk Steinfest’sche Romanehren erhält, sei nur am Rande lobend erwähnt (das wahre Innenleben können sowieso nur echte Stammgäste nachvollziehen).
  Und wenn im grandiosen Finale in der Wiener Hauptbücherei am Gürtel Markus Cheng mit Hilfe des Wiener Kriminal-Oberstleutnants Straka den Fall zu lösen versucht, bleiben zwar einige Personen auf der Strecke, aber vieles wird klarer.
  Am Schluss bleibt aber eine gewisse Unsicherheit, obwohl man vermeint, den Durchblick erfahren zu haben.
  Mit „Ein dickes Fell“ ist Heinrich Steinfest ein großartiger Wurf gelungen, der nichts auslässt: ironisch, sarkastisch und anarchisch witzig, ernsthaft und poetisch-melodisch, analytisch, konziliant und skurril, gereift und absolut zeitgenössisch.

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