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Mervyn Peake
Titus Groan
Gormenghast I.
(1946)

Mervyn Peake
1998
505 Seiten
£7.99


Von Barbara König

  Ich habe vor kurzem "Titus Groan" fertig gelesen, den ersten Band der "Gormenghast-Trilogie" von Mervyn Peake. Es geht darin um das Schloß Gormenghast, das schon seit 76 Generationen von den Groans regiert wird, und seine etwas schrägen Bewohner. Zentrales Thema ist Unbeweglichkeit und Erstarrung der dortigen Zustände.
  Ich muß gestehen, daß ich erst im zweiten Versuch fertiggebracht habe, das Buch zu beenden, beim ersten Anlauf bin ich nach ca. 40 Seiten hängen geblieben. Danach hat sich das Buch fuer meinen Geschmack sehr gut entwickelt.
  Gleich zu Anfang: die erste Hälfte des Buches über passiert fast nichts, in der zweiten Hälfte auch nicht besonders viel. Und für ein Fantasy-Werk (zumindest wird diese Trilogie oft unter Fantasy gerechnet) gibt es fast keine Magie.
  Anstatt einer ereignisreichen Handlung gibt es dafür eine wunderbare Charakterisierung der handelnden Personen (ich konnte mich in ihre Beweggründe, Obsessionen, Ängste und Hoffnungen hervorragend hineinversetzen), sehr schöne Beschreibungen von Dingen und Landschaften und eine tolle Metaphorik.
  Ich lege normalerweise eher Wert auf Handlung, als auf Sprache, aber diesmal hat mich die Sprache wirklich beeindruckt.
 Zwei Beispiele:
  Steerpike ist durch unglückliche Umstände auf das Dach von Gormenghast gelangt und versucht, wieder hineinzukommen. Allerdings ist die schiere Größe des Schlosses dabei etwas hinderlich:
  "All this while he had been searching for one thing and one thing only - a means of entering the castle. He had made a hundred imaginary journeys, taking into account his own weakness, but one after another they had led to blank unscalable walls and to the edges of the roofs. Window after window he took as his objective and attempted to trace his progress only to find that he was thwarted. It was not until the end of the hour approached that a journey he was unravelling in his eye culminated with his entry in a high window in the Western Wing."
 Oder eine Landschaftsbeschreibung:
  "Between the path she walked and the range of mountains was a region of marshland which reflected the voluptuous sky in rich pools, or with a duller glow where choked swamps sucked at the colour and breathed it out in sluggish vapour. A tract of rushes glimmered, for each long sword-shaped leaf was edged with a thread of crimson. One of the larger pools of almost unbroken surface not only reflected the burning sky, but the gruesome, pointing finger of the rock, which plunged through breathless water."
  Manche haben diese Textpassage als "schwülstig" bezeichnet. Ich empfinde sie jedoch, wenngleich übertrieben und mit Metaphern um sich werfend, als durchaus passend im Kontext des Buches.
  Das Buch wurde übrigens 1946 veröffentlicht und gehört daher wohl zu den wenigen Fantasy-Werken, die nicht vom "Herrn der Ringe" beeinflußt wurden.

Von Ludwig Dickmann am 28.01.2001

  Der junge Titus wächst als Thronfolger im Schloß des uralten Geschlechts der Groans auf. Dieses Schloß selbst ist einer der Hauptcharaktere, den es ist so plastisch geschildert, daß es eine Art Eigenleben zu entwickeln scheint. Aber auch die anderen Gestalten sind ebenso faszinierend wie eigenartig und bleiben lange in Erinnung.
  Nicht leicht zu lesen, von bizarrer (und manchmal schrecklicher Schönheit), atemberaubend gut.

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