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John Milton
Paradise Lost
(1660)

Penguin Classics


Von Martin Klinkhardt

  "Paradise Lost" ist ein Klassiker: ein Buch, das man lesen muß, nicht lesen will, aber gelesen haben möchte. Die Thematik ist noch etwas älter: Nach der Niederschlagung seines Aufstands im Himmel und seinem Sturz in die Hölle beschließt Satan, mal zu schauen, wo er noch Böses anrichten kann. In den Himmel kann er nicht zurück, der ist einfach zu gut bewacht. Aber da gibt es ja noch diesen merkwürdigen Ort, den Gott gerade erst fertiggestellt hat, nahe am Himmel, dessen Bewohner Gott und seinen Engeln ähnlich, aber nicht so mächtig sind. Merkwürdigerweise gibt es in diesem ziemlich großen, wunderschönen Ort - eine Art Park mit, wie seine Bewohner einander stets sagen, herrlichen Früchten (nur von einem Baum haben sie noch nicht gekostet) - nur zwei Bewohner, die ueber die anderen Andersgestaltigen gestellt sind. Na also, denkt sich Satan befriedigt, da können wir ja mal was Böses anstellen.
  Sein erster Anlauf scheitert, weil er vom nebenberuflichen Hauptwachmeister und hauptberuflichen Erzengel Uriel erwischt wird, wie er Eva (eine der zwei Führungskräfte dieses Gartens) teuflische Träume einflüstert. Was Satans zweiten Anlauf angeht, seien lesefaule Menschen auf das Buch Genesis verwiesen: Eva ißt von der bewußten Frucht, Adam auch; Gott stellt als Vermieter einen Verstoss gegen die Hausordnung fest und kündigt ihnen fristlos.
  So modern erzählt Milton natürlich nicht; er schrieb Paradise Lost um 1660 und dies strafverschärfend auch noch in Versen. Wenn man Freude an anspruchsvoller Lektüre hat und ein gerüttelt Maß Leidensfähigkeit mitbringt, dann ist dieses Buch das richtige. (Nebenbei bekommt man noch einige verblüffende Informationen, z.B. dass die Engel keine Verdauungsbeschwerden haben, weil sie sich vegetarisch ernähren...)
  Leseprobe? War sie irgends nötig, dann hier:
  Satan hat sich ins Paradies eingeschlichen und sieht nun:
  Of living creatures [...]
  Two of far nobler shape, erect and tall,
  Godlike erect, with native honour clad
  In naked majesty, seemed lords of all.
  And worthy seemed, for in their looks divine
  The image of their glorious Maker shone,
  Truth, wisdom, sanctitude severe and pure -
  severe, but in true filial freedom placed,
  Whence true authority in men.
 (PL IV 288-295)
 
  Am 8.Dezember 98 habe ich "Paradise Lost" von John Milton vorgestellt.
 Heute habe ich in der Bibliothek eine Aussage gefunden, die ich ungemein
 zutreffend finde und euch nicht vorenthalten möchte.
  Hier also die Ergänzung zu meiner damaligen Besprechung:
  "Paradise Lost" ist eines dieser Bücher, die der Leser bestaunt, zur Seite legt
 und schlichtweg weiterzulesen vergißt. Keiner wünscht es sich jemals länger
 als es ist. Seine Lektüre ist mehr eine Pflicht als ein Vergnügen. Man liest
 Milton, um daraus etwas zu lernen, kehrt schikaniert und über Gebühr beladen
 zurück und wendet sich woanders hin, um sich zu erholen. Man verläsest seinen
 Meister und sucht nach Gefährten.
  (Leider habe ich vergessen, den Autor dieser Aussage zu notieren.)

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