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Hannes Stein
Enzyklopädie der Alltagsqualen
Ein Trostbuch für den geplagten Zeitgenossen

Eichborn
2006
290 Seiten
€ 17,90


Von Alemanno Partenopeo am 04.04.2006

  „Es wird Zeit, sich endlich zur Wehr zu setzten!“ Tagtäglich werden wir zugemüllt mit unnützen Informationen zu Dingen, die keiner braucht. Wer in der modernen Welt überleben will, muss sich andauernd den fürchterlichsten Demütigungen und Zumutungen gefallen lassen. Hannes Stein steht Ihnen bei und hilft Ihnen, das zu artikulieren, was Sie schon immer am meisten gestört hat. Seine Enzyklopädie ist ein Ratgeber für Überforderte und ein Trostspender für die, die die Koffer für die einsame Insel schon gepackt haben. Reisen Sie nicht ab! Sie sind nicht alleine! Lies Stein und stopp das Bein!
 
  „Ist der Feind erstmal erkannt, ist das Leiden halb gebannt“ scheint die Philosophie des Querdenkers zu sein und so dreht er alles durch den Wolf, was uns einst ernst und heilig war. An erster Stelle das Stichwort „Älterwerden“, das uns nun nicht mehr als ehrenvolles Geschenk Gottes präsentiert wird, sondern durch den Perspektivenwechsel von „sie“ (die anderen) auf „uns“ (ich) zu einer todtraurigen und tristen Angelegenheit voller Falten und Krankheiten wird. Aber Stein macht sich auch über „Che Guevara“ her und er hat auch ganz recht damit, wem sind die jugendlichen Horden mit ihren T-Shirts noch nicht auf den Wecker gegangen? Wissen die denn überhaupt wer das war? Hannes Stein stellt den vermeintlich ehrenwerten Kämpfer für das Gute neben General Karadžic (ja, genau, der Schlächter von Srebrenica), da Guevara in den von ihm eingerichteten „Resozialisierungslagern“ vor allem auch Schwule „beseitigt“ hätte. Hannes Stein fragt sich, warum gerade Che so einen Kultstatus genieße und nicht Karadžic, wo sie doch beide – vermeintlich – dasselbe getan hätten (in den Augen von Stein) Und er gibt gleich die Antwort selbst: weil Che die „richtige Ideologie“ hatte. „Darum werden seine Bücher aus der pubertären Pickelzeit verfilmt, als er mit dem Motorrad durch Lateinamerika brauste.“
  Haben Sie auch schon immer Männer in kurzen Hosen gehasst? Oder Computer? Oder Nahostexperten? Hannes Stein zieht alles durch den Kakao, worüber Sie sich auch schon geärgert haben! Übrigens genauso die zuvor verteidigten Homosexuellen. Aber nur jene, die daraus eine Weltanschauung oder Ideologie machen, natürlich nicht alle. Trotz allen Humors bleibt Stein nämlich politisch korrekt. Im Gegensatz zu den Schwulen, die ihre Homosexualität neben das Judentum stellen, weist er diese Affinität zurück, da es keine „schwule Nation“ gäbe, sehr wohl aber eine jüdische mit einer 4.000 Jahre alten Kultur. Was uns dann auch gleich zum Stichwort „Holocaustmahnmal“ bringt: auch wenn seine Aufregung darüber berechtigt ist, sind seine Gegenvorschläge doch etwas abstrus. Aber schlagen Sie lieber selbst nach, bevor ich Ihnen auch noch etwas Falsches erzähle!
 
  Abschließend sei gesagt: die von mir ausgewählten Beispiele sind nicht gerade die repräsentativsten und einfachsten, um dagegen anzuschreiben. Aber selbst bei diesen gelingt es Stein, eine ausgewogene aus-dem-Bauch-raus-Kritik anzubringen. Dass ihm das gelungen ist, steht außer Zweifel, er ist wirklich ein guter Nörgler. Man muss dann ja nicht alles immer gleich so wörtlich oder persönlich nehmen. Interessant ist, wie er sich aufregt und dass er sich aufregt und vor allem einmal einen neuen Blickwinkel auf alte Probleme bringt.
 
  Hannes Stein wurde in München geboren, ist aber in Österreich aufgewachsen und studierte in Salzburg Anglistik, Amerikanistik und Philosophie. Er hat auch schon mal für die FAZ oder den Spiegel gearbeitet, aber viel wichtiger ist ihm die Literarische Welt für die er als Redakteur arbeitet. Bei Eichborn ist von demselben Autor auch erschienen: „Endlich Nichtdenker. Ein Handbuch für den überforderten Intellektuellen.“, das bereits in der 5. Auflage ist.

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