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Gaby Hartel / Carola Veit
Samuel Beckett

Suhrkamp
2006
154 Seiten
€ 7,90 [D] 8,20 [A]


Von Volker Frick am 04.04.2006

  Beide Autorinnen haben über Samuel Beckett promoviert, und so zeichnet sich dieser Band durch Kompetenz auf der einen Seite und durch eine flüssige, gut lesbare Sprache andererseits aus. Bis auf wenige Ausnahmen - „Im Angesicht der unendlichen Ödnis des menschlichen Daseins ist die Liebe ein Hauch.“ - enthalten sie sich mit kommentierenden Aussagen, zeichnen viel mehr sehr stringent Leben, Werk und Wirkung dieses Autors nach, wobei ins Auge fällt die unterschiedliche Gewichtung: auf 59 Seiten werden chronologisch die biographischen Stationen, auf 43 Seiten das Werk und auf 23 Seiten die (Nach)Wirkung von Samuel Beckett dargestellt. Wirklich bestechend ist dann tatsächlich die von einem tiefen Verständnis geprägte Vorstellung seiner unterschiedlichen künstlerischen Produktionen, wobei allerdings seine Gedichte vollständig ausgelassen werden, andererseits, und völlig zu Recht, das Romanwerk hervorgehoben wird. Auch wenn Beckett als Dramatiker Bekanntheit erlangte und als solcher 1969 den Literaturnobelpreis zuerkannt bekam, so hat er doch sein Romanwerk als seine wesentlichste Arbeit benannt.
  Wenn dann aber zu lesen ist „Sein Leben in Paris, Hamburg, Berlin, London war durchaus gesellig…“, klingt dies so, als ob Beckett nicht in Paris gelebt hätte sondern eben auch in Hamburg oder Berlin. Zwar besuchte er Hamburg während seiner Winterreise 1936/1937, wie auch Berlin, wo er sich in den letzten Jahrzehnten seines Lebens immer wieder zu Inszenierungen seiner Stücke einfand, aber gelebt hat er in Paris.
  Man erfährt, dass Beckett sich 1935/1936 fast zwei Jahre lang einer Psychotherapie unterzog, die 150 Therapiestunden umfasste. Erwähnt wird auch sein Projekt „Journal of a Melancholic“ (während besagter Deutschlandreise), oder liest wie Beckett 1939 den idealtypischen Arier skizzierte: „Er muß blond sein wie Hitler, schlank wie Göring, schön wie Goebbels, mannhaft wie Röhm und muß Rosenberg heißen.“. Erwähnt wird auch Becketts Film, der gleichzeitig die letzte Rolle für den Hauptdarsteller Buster Keaton war.
  Beckett als Liebhaber und Kenner der bildenden Kunst hat wiederum Einfluß auf die zeitgenössische Kunst gehabt, was anhand der Werke der Künstler Bruce Nauman, dem jüngst verstorbenen Nam June Paik und Sol LeWitt skizziert wird. Jasper Johns illustrierte 1976 Becketts lyrischen Erzählband „Foirades/Fizzles“. Auch der Komponist John Cage ließ sich durch das Werk Becketts inspirieren, und in Truffauts Film „Fahrenheit 451“ von 1966 gehört „Warten auf Godot“ zu einem der ersten verbrannten, da verbotenen Büchern.
 Rundum informativ und erfrischend unakademisch kann dieser Band wahrlich als das gelten, was der Reihe in welcher er erscheint als Titel dient: BasisBiographie.

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