Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Wieland Schmied
Begegnung mit Samuel Beckett in Berlin

Rimbaud Verlag
2006
64 Seiten
€ 10,-


Von Volker Frick am 28.03.2006

  Wieland Schmied, Jahrgang 1929 und Professor für Kunstgeschichte, legt mit diesem kleinen Band einen Text vor, der nun ganz und gar nicht neu ist. Immerhin verweist der Autor selbst in seinem Vorwort auf die bereits 1984 erfolgte Publikation seines Textes - gemeinsam mit einem Text über Ezra Pound unter dem Titel „Andere Stimmen“ als LCB-Edition 79 erschienen.
  Eigentlich geht es in diesem Text um Rick Cluchey, der 1978 als Gast des Berliner Künstlerprogramms daad in der Stadt weilte um Becketts „Endspiel“ zu inszenieren. Beckett war während dieser Zeit auch vor Ort. Rick Cluchey, ehemaliger Strafgefangener, war 1957 im Knast nach einer Aufführung von „Warten auf Godot“ des San Francisco Actors’ Workshop selbst zum Regisseur geworden und inszenierte fürderhin im Knast selbst Theateraufführungen, gemeinsam mit Mithäftlingen. Sein erstes eigenes Stück inszenierte er 1965 unter dem Titel „Le Cage“ noch immer als Häftling in San Quentin. 1966 wurde er entlassen und tourte dann gemeinsam mit ehemaligen Mithäftlingen als San Quentin Drama Workshop sechs Jahre lang durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Erst danach gab es Auftritte in London, Edinburgh, Paris und Berlin. Eines Tages (1974) trifft er Beckett, der „in der Rue du Dragon aus dem Nebel eines frühen Dezembermorgens“ auftauchte.
  Wieland Schmied erzählt uns also von diesen Proben in Berlin, so etwas vom Beharrungsvermögen Becketts, „er insistiert hartnäckig und unbeirrbar auf der Form, die er will, die ihm als die richtige vorschwebt und an der nicht zu zweifeln ist.“ Und darob gibt es Auseinandersetzungen zwischen dem ehemaligen Strafgefangenen Rick Cluchey, der Theater spielt, seine Rolle spielt, und dem scheuen Autor, der das ganze als Spiel sieht, tatsächlich als Endspiel. Die Premiere geht am 17. September 1978 über die Bühne. Nichts desto trotz gehen die Proben weiter, Beckett scheint noch nicht zufrieden, er macht weiter.
  Die Eindrücke, die Wieland Schmied sich seinerzeit notiert hat, sind schön zu lesen, so wenn er sich der Musikalität der Beckett’schen Sprache bewußt wird, oder wenn Beckett ihn auf dem Flur der Wohnung von Cluney, der eine kleine zwanglose Cocktailparty für Beckett gab, anspricht: „Mr. Schmied“, sagte er, „I have to you a very old question“, (…) und dann kam schon seine entscheidende Frage: „Where is the toilet?“

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.