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Samuel Beckett
Warten auf Godot
(En attendant Godot, 1953)

Suhrkamp
2006
Übersetzt von Elmar Tophoven
115 Seiten
€ 10,- [D] 10,30 [A]


Von Volker Frick am 17.03.2006

  Am 26. Dezember 1974 landet Beckett in Berlin, um im Schiller-Theater sein Stück „Warten auf Godot“ zu inszenieren. Zwar war es nicht die erste eigene Inszenierung eines seiner Stücke - das war seine Inszenierung des „Endspiel“, die bereits Jahre zuvor, am 26. September 1967, ebenfalls in Berlin Premiere feierte. Aber die Godot-Inszenierung mit den Schauspielern Stefan Wigger, Horst Bollmann, Klaus Herm und Karl Raddatz, der für den erkrankten Martin Held einsprang, war ausnehmend erfolgreich.
  Er habe das Theater „und besonders Godot leid und satt“ schrieb er an den Regisseur Alan Schneider, der 1964 mit Beckett dessen Film „Film“ drehte, „Tag um Tag diese Worte hören zu müssen ist zur Tortur geworden.“
  „Warten auf Godot“ ist neben dem „Endspiels“ sicherlich das bekannteste Stück des Autors. Er hatte es Ende der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts geschrieben, nach eigener Aussage zur Erholung von den zuvor geschriebenen Romanen. In einem frühen Essay betitelt „Proust“ hatte er geschrieben „Der Beobachter infiziert das Beobachtete mit seiner eigenen Beweglichkeit.“ Und so ist die Stasis einer der Beweggründe [sic!] in diesem Stück, ganz dem trägen Musiker, jenem Florentiner Belacqua, dem Dante während seiner literarischen Reise durch das Fegefeuer begegnete, entsprechend, der auf Vorhaltungen mit einem Aristoteles-Zitat zu antworten pflegte: „Sitzend und ruhend wird die Seele weise.“
  Für Beckett-Leser ist diese Faksimilie-Ausgabe des Handexemplares, welches Beckett während seiner Godot-Inszenierung in Berlin benutzte, eine schöne Sache. Finden sich doch Streichungen ganzer Passagen, Korrekturen, und hie und da werden Wörter durch andere Worte ersetzt, wodurch der Text, die Dialoge an Präzision gewinnen. Deutlich wird auch Becketts profunde und oftmals unterschätzte Kenntnis der deutschen Sprache.
  Wenn im zweiten Akt die beiden Protagonisten Wladimir und Estragon sich in einem Penner-Rap gegenseitig beschimpfen, dann liest sich das in der Übersetzung von Elmar Tophoven so: „Schurke! - Würstchen! - Saftsack! - Giftzwerg! - Rotzlöffel - Rindsknochen!“, Beckett wirft die Übersetzung um und dann geht’s so: „Streithammel! - Querulant! - Stinkstiefel! - Giftnickel! - Brechmittel! - Pestbeule!“, und wenn bei Tophoven Wladimir diesen Beleidigungs-Pingpong mit „Mistbiene!“ beendet, dann ändert Beckett das in „Scheisskerl!“, streicht’s durch und schreibt: „Parasit!“
  Für Beckett-Leser durchaus eine schöne Sache. Für Beckett ein schönes Geburtstagsbuch.

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