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Dominique Pagnier
Der Schutz der Dunkelheit

Verlag im Wald
2004
116 Seiten


Von Volker Frick am 15.03.2006

  Im Schutz der Dunkelheit lässt sich die Welt betrachten, wie ein Kind, das die Hände vor Augen sich hält, vermeint nicht gesehen zu werden. Wir finden uns wieder an Orten der Kindheit, die jedoch nicht als blasse Bilder aus den Untiefen der Erinnerung unwillkürlich aufsteigen, sondern durch die reife Stimme des Dichters Evokationen des Wiedererkennens manifest werden lassen. Sommerlicher Nachmittag im Schatten eines Baumes. Lindenblüten. „’Domino!’ ruft die sich zum Fenster hinauslehnende Mutter ihren Sohn…“
  So fällt ein Bild ins andere, eine Kindheit wird erzählt. 81 Prosagedichte, die jeweils kaum eine Seite umfassen, vereint in sieben Kapiteln. Dominique Pagnier, Jahrgang 1951, unternimmt hier einen Versuch, der als gelungen gelten kann. Aus der Dunkelheit heraus tropft er prosaische Bilder auf die Netzhaut.
  Und da unausgesprochen Kindheit ein mythischer Ort ist, und da Erinnerung als auch Gewohnheit die grossen Verhinderer des Lebens hic et nunc sind, so also verwebt nach und nach der Autor seine Dichtung mit mythologischen Referenzen. Zugestanden, da Franzose, griechisch, aber keinesfalls Freistil. Die Evokationen des Wiedererkennens gelingen gerade erst aus der gegenseitigen Infiltration des Sujets Kindheit und seiner mythologischen Amalgamierung.
  Weltvergessen die Welt wahrnehmend in Augenblicken. So genau, mit einer fast schmerzhaften Präzision, zeigt der Autor, der in seinem Heimatland weit mehr als nur dieses eine Buch publiziert hat, die tägliche Abschweifung auf, dies Auf und Ab dessen, was alle Welt, ohne zu lauschen, Alltag nennt. Dominique Pagnier gestattet uns einen Blick dahinter, er reisst den Vorhang auf. Und was wir zu lesen bekommen ist halbwegs göttlich, zumindest zeugt es von einer grossen Könnerschaft. Und das ist leicht untertrieben.

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