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Dietrich Helms / Thomas Phleps (Hg.)
9/11 - The world’s all out of tune

Transcript
2004
211 Seiten
€ 19,80


Von Volker Frick am 15.03.2006

  Der 11. September 2001 ist zwar fast fünf Jahre vergangen, aber hat sich die Welt verändert? Wohl kaum. Die Verunreinigten Staaten von Amerika sind in den Krieg gezogen, nach Afghanistan, in den Irak. Was das vorliegende Buch so interessant macht ist, das es der Musik lauscht, genauer, einen Blick auf die Popmusik wirft, und darauf, ob und wie diese auf 9/11 und die darauf folgenden Kriege reagiert hat.
  Das Buch beinhaltet 12 Beiträge, von denen vier, von Thomas Phleps, als Dokumentation und Diskographie daherkommen und neben Songlyrics aus immensen Listen von Tracks auf CDs oder als Download im Netz bestehen (ein Nachteil, denn niemand hackt, das Buch vor der Nase, die Internetadressen in seinen Browser), sortiert immerhin nach Pro- und Anti-War, aber auch Taliban oder deutsche Musikerzeugnisse sind als kategoriale Zuordnung vorhanden. Das allein ist schon mehr als ergötzlich.
  Hervorgegangen ist das Buch aus der 14. Arbeitstagung des Arbeitskreises Studium Populärer Musik (ASPM) im Oktober 2003. Besonders hervorzuheben ist der Beitrag von Susann Witt-Stahl mit dem Titel „Beats für die Heimatfront“, in dem sie zu Recht konstatiert „Pop wäre ohne die enge Verflechtung von Kommunikationstechnik und Kriegsführung, ohne die gigantischen Technisierungsschübe des ‚Vaters aller Dinge’ nicht möglich gewesen. Pop ist Abfallprodukt und Waffe des Krieges zugleich.“ Wem das zu harsch erscheint, der schaue sich „The Wall“ von Pink Floyd an oder lese ein wenig Friedrich Kittler.
  Der Zensor in Zeiten des Krieges steht Gewehr bei Fuß, dies handelt Christiane Rohr in ihrem Beitrag „Musiker unter Druck“ ab - und, erinnert sich noch jemand an die Dixie Chicks? Oder an das Video „Boom!“ von System of a Down? Im ersten und einzigen englischsprachigen Beitrag des Bandes verweist Martin Cloonan immerhin auf die von Serj Tankian (System of a Down) und Tom Morello (Audioslave) initierte Organisation Axis of Justice hin (www.axisofjustice.org).
  Erschreckend ob seines Inhaltes ist der Beitrag von Jörg Fechner, der sich der nordamerikanischen Anti-Drogenpolitik nach dem 11. September 2001 annimmt, und der einen nach der Lektüre recht sprachlos zurücklässt. Veranstalter von Rave-Parties stehen mit einem Bein schon im Knast, falls sie während der Veranstaltung Wasser verkaufen oder Sanitäter vor Ort haben, denn beides ist ja untrügliches Zeichen für Drogenkonsum unter den Besuchern…
  Zwei Beiträge, jener von Dietrich Helms über die Bedeutung von „Bedeutung populärer Musik“ (kein Witz) und jener von Helmut Rösing mit dem Titel „Wie politisch kann Musik sein“ sind eher theoretischer Natur, und runden dieses Buch, eher spröde, ab.
  Im Editorial ist zu lesen „Dieses Buch ist ein Anfang, eine Sammlung erster Vorschläge, wie „9/11 und die Folgen in der populären Musik“ begreifbar und begrifflich fassbar sein kann.“ Na dann bleibt nur zu sagen, dieser Anfang ist mehr als gelungen, und recht eigentlich sollte ein jeder der wie auch immer mit populärer Musik sich auseinandersetzt dieses Buch gelesen haben. Und wenn dem Wort nicht der Hauch des Oberlehrers anhaftete…: Pflichtlektüre.

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