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Friedhelm Rathjen
Samuel Beckett

Rowohlt
2006
155 Seiten
€ 8,50


Von Volker Frick am 10.03.2006

  Der Autor ist bekannt durch vielerlei Publikationen zu vor allem Arno Schmidt, der „BECKETT ne Krampfhenne“ schimpfte, James Joyce (2004 legte Rathjen eine Monographie zu diesem Autor vor), und natürlich Samuel Beckett.
  Begonnen hat er 1990 mit dem Buch „Reziproke Radien“ in welchem er das Werk von Arno Schmidt und Samuel Beckett gegen den Strich bürstete und Bezüge zumindest von Schmidt zu Beckett auflas. Das vor gut zehn Jahren erschienene Buch „Beckett zur Einführung“ war profund und ist noch immer empfehlenswert. Ende vergangenen Jahres versammelte Friedhelm Rathjen unter dem schönen Titel „weder noch“ Aufsätze und Rezensionen aus zwei Jahrzehnten, die sich dem Literaturnobelpreisträger und dessen Werk widmeten.
  Nun ist unter dem schlichten Titel „Samuel Beckett“ sein frischestes Buch erschienen, und dies in der bekannten Reihe der Rowohlt-Monographien. Im Impressum des Buches ist zu lesen „Dieser Band ersetzt die 1971 erschienene Ausgabe von Klaus Birkenhauer“, die eine Gesamtauflage von 40.000 Exemplaren erreichte. Jene Ausgabe umfaßte bei wesentlich engerem Satzspiegel 181 Seiten, die neue lediglich 155 Seiten, und dies, obwohl Rathjen die Jahre von 1971 bis 1989, das Todesjahr Becketts, zu integrieren hatte.
  Lediglich mitnichten wichtiges ist an diesem Buch zu monieren. So erwähnt Rathjen die Besuche Becketts in Kassel im Jahre 1929, die seiner Kusine Peggy Sinclair galten. Als er Weihnachten 1929 erneut in Kassel auftaucht „geht die Liebe in die Brüche“. Vielleicht ist es unwichtig, ob es tatsächlich „Hunderte von Liebesbriefen“ waren, die Peggy ihm nach Paris schickte, „in einem Gemisch aus Deutsch und Englisch“. Beckett hat 1932 in seinem ersten Roman „Traum von mehr bis minder schönen Frauen“ (posthum veröffentlicht, deutsch 1996) hemmungslos aus diesen Briefen zitiert.
  „Wie Beckett einen Text feilt und abschleift“ lässt sich nach Rathjen bei dem Text „Ausgeträumt träumen“, da später zwei Vorstufen publiziert worden seien, „besonders gut nachvollziehen“. Da möchte man den Autor doch auf das Prosastück „Bing“ verweisen, welches von der ersten bis zur endgültigen Fassung (erschienen 1966 in der Éditions de Minuit) in zehn Varianten in der 1970 publizierten Bibliographie von Raymond Federman und John Fletcher als Appendix II abgedruckt sich findet.
  Diese Bibliographie kennt Rathjen, denn sie findet sich in der Bibliographie seines Buches, die wiederum u.a. die wesentlichste Sekundärliteratur zu Beckett anführt und so aktuell ist, das Bücher gelistet werden, die noch gar nicht erschienen sind.
  Kleinkrämerei bei solch überzeugender Arbeit ist obsolet. Wer erstmalig und neugierig etwas zu diesem viel beschriebenen Autor lesen möchte, ist mit dieser kleinen feinen Monographie bestens bedient. Friedhelm Rathjen ist jemand, dessen Kenntnis des internen beckettschen Kosmos tief erschöpfend ist, darob umfassend und genau diesen auf wenigen Seiten darzustellen vermag. So werden die Jahre 1971 bis 1989 in höchster Präzision behandelt, wie das ganze Buch der durchaus treffenden Prämisse seines ersten Satzes folgt: „Samuel Becketts Werk ist in weitaus stärkerem Maß, als dies lange vermutet wurde, mit Details aus dem Leben des Autors unterfüttert“.

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