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Jan Drees
Letzte Tage, jetzt

Eichborn
2006
144 Seiten
€ 12,90


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Von Alemanno Partenopeo am 07.03.2006

  Es gibt Musik für Verliebte. Und es gibt Bücher für Verliebte. Vorliegender Roman ist ein Hybrid aus beiden Genres. Hier finden Sie Zitate aus Songtexten von Kettcar, Adam Green, John Lennon oder sogar Jim Morrison. Die Musik entsteht durch das rhythmische Lesen, die Poesie durch Ihre Phantasie!
 
  Der Autor selbst geht übrigens auch auf Tournee, zusammen mit dem DJ Christian Vorbau sind sie auch live zu erleben, für nähere, aktualisierte, Informationen zu Ihrer Region, sehen Sie den Link: www.letztetagejetzt.de/tour/html . Unterstützt werden die beiden verliebten Jungs von der Berliner Kurzfilm-Regisseuse Mira Simon.
 
  Aber was Sie dann lesen werden, ist vielmehr ein Abgesang an die Liebe, geschrieben von einem „Mauerkind“ (Copyright by Adrian Stöckl), geboren 1979, und als diese fiel, gerade Mal zehn, inzwischen ganze 26 und schon den zweiten Roman veröffentlicht, nach „Starin at the Sun“. Denn die Protagonistin, die Ich-Erzählerin, schreibt aus der Perspektive des Retrospekts, des Rückblicks und Jan Drees, der Autor, lebt sich erstmals in (s)eine Frauenrolle ein. So kann er sich besser über männliches Rollenverhalten mokieren oder es zumindest distanzierter betrachten.
  Und der größte Allgemeinplatz wird gleich zu Anfang bemüht: mit Männern kann frau nicht reden. Jedenfalls mit diesem Mann nicht. Er heißt Nebil und allem Anschein nach scheint er die Schuld daran zu tragen, dass wieder einmal eine Beziehung - nach den magischen drei Jahren - in die Brüche gegangen ist.
 
  Schönheit findet sich nur mehr in den Erinnerungen. Im Sommerregen etwa: „Manchmal laufe ich durch den Gewitterregen und erwarte sehnsüchtig dicke, stickige Dunstluft, die nach Sommergüssen durch die Straßen nebelt. Ein guter Moment. Mein dünnes Hemd, durchnässt, klebt an mir wie Nebils Knutschfleck-Kuß in einer verstohlenen Nacht. Ich schlafe. Nebil streichelt mich. Das Hemd im Regen erinnert an tausend Knutschfleck-Küsse, über den gesamten Körper verteilt.“
 
  „Was dazwischen liegt wird Beziehung genannt“, schreibt er, „die Zeitdauer zwischen dem ersten Mitkommen und dem letzten Weitersuchen“. Aber dieses Buch wird von einem ganz anderen Gegenstand erfüllt: dem Ablieben und Entlieben, ein schmerzlicher, nekrophiler, melancholischer, nostalgischer und meist letaler Prozess. Auf der Strecke bleibt nicht nur das eigene Ich, sondern auch das eigene Leben. Wer Liebeskummer hat, sollte dieses Buch lesen und es danach beiseite legen: leiden ist Zeitverschwendung. Damit meine ich aber nicht das Lesen des Buches, sondern den Liebeskummer. Ein Buch wie dieses hilft, wenn’s am meisten wehtut. Gerade so wie ein neuer Freund.

 

 

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