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Richard Morgan
Gefallene Engel
(Broken Angels)

Heyne
2005
Übersetzt von Bernhard Kempen
591 Seiten
€ 8,95


Von Christian Pree am 01.02.2006

 Kurzkurzkritik: Vom Stadtdschungel zur Space Opera. Gut.
 
 
  Beide Romane spielen vor dem gleichen Hintergrund, sind aber nur lose miteinander verbunden. Die Menschheit hat einige Dutzend Planeten in der näheren Umgebung besiedelt. Überlichtschnelle Kommunikation gibt es, aber physischer Transport erfolgt unter der Lichtgeschwindigkeit. Es ist aber gelungen, das Ich vom Körper zu trennen, in elektronischer Form zu speichern und in einen anderen Körper zu transferieren.
 
  Takeshi Kovacs ist die Hauptperson beider Romane. Er ist ein ehemaliger Envoy, einer Elitetruppe, und hat eine besondere Ausbildung genossen, die ihm an einigen Stellen hilft. Inzwischen ist er am ehesten als Söldner zu bezeichnen.
  Zu Beginn von "Das Unsterblichkeitsprogramm" ist er wegen diverser Verbrechen "auf Eis gelegt", sprich: Er büßt seine Strafe virtuell ab. Er wird jedoch von Bancroft, einem Milliardär auf der Erde, angefordert. Der will nämlich wissen, warum er (Bancroft) sich umgebracht haben soll. Zumindest die Polizei hat die Tat als Selbstmord zu den Akten gelegt. Was hat aber ein Selbstmord für einen Sinn, wenn das Ich sowieso als Backup vorliegt und binnen Stunden in einem bereitstehenden Klon aktiviert wird? Kovacs wird in den Körper eines ehemaligen Polizisten transferiert und beginnt zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen ihn quer durch alle Schichten, bis zu den übelsten Gegenden, bis hin zum großen Showdown.
 
  Der Roman hat mich deutlich an die zynischen Privatdetektive aus Hollywoods schwarzer Serie erinnert. Gute gibt es kaum, und wenn, sind sie Opfer. Auch das zwiespältige Verhältnis zur Polizei, die natürlich parallel am Fall dran bleibt, ist ähnlich. Jeder hat seine finsteren Geheimnisse, und es gibt jede Menge Action.
 
  Der zweite Roman, "Gefallene Engel", spielt zeitlich danach. Kovacs hat den Fall gelöst und dafür seinen Belohnung kassiert: Ein gut gefülltes Konto auf einem anderen Planeten, und einen Freiflug dorthin. Er ist nun als Söldner auf dem Planeten Sanction IV tätig, wo ein hässlicher Bürgerkrieg tobt. In diesem Roman wird auch der Hintergrund der Welt des Takeshi Kovacs weiter ausgeleuchtet: Es gab die Marsianer, nur sind sie verschwunden, und haben Relikte aller Art hinterlassen. Diese Relikte repräsentieren eine fortgeschrittene Technologie, wenn man sie nur verstehen kann. Die Menschen trafen erstmals am Mars auf die Relikte, aber wo der Ursprungsplanet liegt, ist unbekannt. Auch auf Sanction IV gibt es solche Relikte. Kovacs wird nun engagiert, um den Jackpot aller Relikte aufzuspüren und zu sichern: Ein intaktes Großraumschiff der Marsianer.
  Gemeinsam mit einer Handvoll anderer Söldner und einer Archäologin laviert Kovacs zwischen den Bürgerkriegsparteien und schafft es bis zum Schiff - aber damit ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende...
 
  Dieser zweite Roman ist ganz anders angelegt als der erste: Diesmal ist es eine lupenreine Space Opera, mit starkem Einschlag Richtung Military-SF. Allerdings nicht die Ehre-Blut-Boden-Romantik anderer Autoren, sondern die schmutzige Bürgerkrieg-Söldner-Variante. Auch hier hält sich die Zahl der Guten stark in Grenzen.
 
  Insgesamt ein interessanter und ausbaufähiger Hintergrund, und die Handlung hat sich in den beiden Bänden stark unterschieden. Das macht neugierig auf weitere Bände (Band 3, "Heiliger Zorn" ist bereits erschienen.).

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