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Heidi Pataki
amok und koma

Otto Müller Verlag
2002
92 Seiten


Von Rudolf Kraus am 04.01.2006

  Heidi Patakis Gedichte sind nicht gerade eine leichte Lyrikkost. Wenn man sich jedoch darauf einlässt, so erntet man eine gescheite, vom Geiste Satyrs geschärfte Poesie.
  Der hier vorliegende Gedichtband enthält Gedichte aus den letzten zwei Jahrzehnten, unterteilt in die Abschnitte A bis E. Viele der Gedichte sind getragen von einer Kritik an der Gesellschaft, der Politik und am Zeitgeist.
  Doch immer wieder stellt Pataki die Gattung selbst in Frage: sind Gedichte noch zeitgemäß? Die Antwort gibt sie selber, in sprachlicher Souveränität und der für Lyrik notwendigen Einfühlsamkeit:
  „wenn sich der himmel an mir reiben wollt! / ein beißkorb macht noch keinen satz. / das ist des jammers kern: / ein herz von seide, eine haut von gold.“
  Wenn Wien zum Thema wird, dann kratzt die Wienerin Heidi Pataki ohne Pathos das berühmte Gold vom tiefschwarzen Wienerherz und dichtet „wien, zärtlich“: „das stahlhelmerl / das kameraterl / das wolfhunterl / das achterl“.
  Da klingt ganz niedlich so mancher Gewaltakt (eine jahrhundertealte Kunst des Wienerliedes) und gnadenlos fügt die Autorin mit Skepsis und Genuss ein Wort ans andere. Oftmals dient ein Zitat zum Weiterspinnen, zum Entwickeln einer Poesie, die zwar zitiert, aber nie den Pfad der Eigenständigkeit verlässt.
  Es ist ein probates Mittel der Literaturkritik, Vergleiche zu ziehen. Ansätze finden sich in der Wiener Gruppe, in der konkreten und experimentellen Poesie. Artmann, Rühm und Jandl könnte man heranziehen, aber wozu? Heidi Patakis Gedichte sprechen und stehen für sich selbst.
  Zeit selbst zu zitieren: „Lesen Sie mehr Gedichte!“

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