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Hans Raimund
Porträt mit Hut

Otto Müller Verlag
1998
123 Seiten


Von Rudolf Kraus am 04.01.2006

  Der vorliegende Gedichtband des niederösterreichischen Georg-Trakl-Preisträgers Hans Raimund bietet sich an, einen österreichischen Dichter zu entdecken, dessen Texte zwar schon in mehrere Sprachen übersetzt und mit einigen Preisen ausgezeichnet worden sind, der aber hierzulande kaum bekannt ist.
  Seine Gedichte handeln vom Scheitern und Gelingen, von der Vielfalt menschlicher Eigenschaften und Spezifika und wenden sich im Handumdrehen dem immer wiederkehrenden Thema jedes Dichters zu: der Liebe. Dennoch steht die Liebe nicht im Mittelpunkt seiner Lyrik, Raimund durchleuchtet mit leichtfüßiger Feder das unüberschaubare Umfeld einer ganzen Gefühlswelt, der wohl einzig und allein die Poesie eine Zunge verleiht. Manche Texte erinnern durch ihre Form an antike Epen, obwohl der Autor sich beinahe gänzlich dem Zeitgenössischem widmet und dabei oft komplette Geschichten erzählt. „Gtschssn! Gtschssn! / VersFeuilleton“ erzählt die brutale Geschichte des obdachlosen Amerikaners Ronald, der durch ein medizinisches Wunder zum Medienstar wird und nach jahrelanger Ausnützung einen verstümmelten Satz zu seinem prosaischem Ende bringt.
  Hans Raimunds Übersetzertätigkeit spiegelt sich in manchen Gedichten wider, wo sich italienische, französische Sätze nahtlos in deutsche Poesie fügen, und ein Gedicht gänzlich in englischer Sprache geschrieben ist. Sein Sprachentalent wird aber auch in vielen Texten spürbar, denn der Klang und die Melodie seiner Lyrik ist getragen von jenem Horizont, der sich erst öffnet, wenn der Umgang mit der eigenen Sprache durch die Kenntnis anderer leichtfüßig wird.
  Die Gedichte des vorliegenden Bandes sind in drei Kapitel unterteilt, wobei das letzte „Von Unterwegs“ den gesamten Zyklus des Unterwegsseins umfaßt. Hier vertiefen sich die poetischen Fertigkeiten Raimunds zur wahren Dichtkunst, der in Nimbus aus Eis meint : „FROST auf den Halmen der euch die Lippen verbrennt / Blast ihr Eindringlinge euer falsches Lied darauf“.

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