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Wilkie Collins
The Moonstone

Penguin Classics
1986
528 Seiten


Von Martin Klinkhardt

  Am Morgen nach Lady Rachel Verinders Geburtstag im Sommer 1848 macht sie eine furchtbare Entdeckung: der über alle Massen wertvolle indische Diamant, den sie zum Geburtstag von ihrem - verstorbenen - Onkel als Erbstück bekommen hat, ist verschwunden. Es beginnt eine ebenso aufwendige wie ergebnislose Suchaktion. Der Mondstein bleibt verschwunden, und so gut wie jedermanns Verhalten wirft Fragen auf: Warum weigert sich Rachel Verinder, mit dem melancholischen Detektiv Cuff zu sprechen? Hat sich das Hausmädchen Rosanna wegen des Diebstahls umgebracht? Oder haben die mysteriösen indischen Gaukler etwas mit dem Verlust des Edelsteins zu tun?
  Wilkie Collins hat mit diesem Roman einen der ersten Kriminalromane überhaupt verfaßt - und damit hohe Maßstäbe gesetzt. Wir lernen verschiedene Personen kennen, die etwas über den Fall zu erzählen haben. Ihre Berichte beschränken sich stets auf das, was sie in Bezug auf den Mondstein erleben. Dadurch gelingt es Collins, ein gewaltiges Maß an Spannung aufzubauen, den Leser immer wieder mit neuen Facetten der Ereignisse vertraut zu machen - und ihn stets aufs Neue zu verblüffen. Ob der Diamant tatsächlich verschwunden ist und wer ihn wirklich hat, mag ich hier nicht verraten. Einiges nehmen die Inder vorweg, die sich einige Zeit vor dem Diebstahl mit einem kleinen Jungen vor Lady Verinders Anwesen in Yorkshire herumtreiben: "Dann sagte der Inder, indem er zuerst den Kopf der Knaben berührte und dann darüber Zeichen in die Luft malte: 'Sieh!' Der Knabe erstarrte, stand da wie eine Statue und starrte dabei die ganze Zeit über auf die Tinte in seiner hohlen Hand. Die drei Inder schauten noch einmal die Straße auf und ab - dann sagte der Anführer der Inder diese Worte zu dem Knaben: 'Sieh den englischen Gentleman aus fremden Gegenden.' Der Knabe sprach: 'Ich sehe ihn.' Der Inder sagte: 'Ist es der Weg zu diesem Haus und kein anderer Weg, den der englische Gentleman heute reisen wird?' Der Knabe antwortete: 'Es ist dieser Weg und kein anderer, auf dem der englische Gentleman heute reisen wird.' Der Inder wartete kurz, bevor er eine zweite Frage stellte: 'Hat der englische Gentleman Ihn bei sich?' Und nach einer kurzen Pause antwortete der Knabe: 'Ja.' Der Inder stellte eine letzte Frage: 'Wird der englische Gentleman gegen Ende des Tages hierher kommen, wie er es versprochen hat?' Der Knabe sprach: 'Das kann ich nicht sagen.' Der Inder fragte nach dem Grund. Der Knabe sagte: 'Ich bin müde. In meinem Kopf steigt Nebel auf und verwirrt mich. Ich kann heute nichts mehr sehen.' Damit endete die Fragestunde, wie Penelope mir erklärte. Zu meiner großen Überraschung nahm Mr. Franklin es genauso ernst wie Penelope. Wie ernst, werden Sie verstehen, wenn ich Ihnen erzähle, daß seiner Meinung nach 'Er' der Mondstein war."
  Wer Freude hat an kultivierten Kriminalromanen, wird den "Mondstein" genießen. Ich kann ihn auch jedem anderen Leser wärmstens empfehlen, der viktorianisches Milieu als Umgebung für einen Roman schätzt.
  Der Auszug ist übrigens meine eigene Übersetzung. Deren Unzulänglichkeiten bitte ich nicht dem Roman selbst zuzuschreiben. M.K.

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