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Friedhelm Rathjen
weder noch
Aufsätze zu Samuel Beckett

EDITION reJOYCE
2005
166 Seiten
€ 17,-


Von Volker Frick am 09.11.2005

  Die jüngste Publikation von Friedhelm Rathjen mit dem Titel „weder noch“ versammelt verstreut erschienene Texte des Autors zum letzten modernen Schriftsteller des vergangenen Jahrhunderts: Samuel Beckett. Herr Rathjen publizierte bereits 1995 „Beckett zur Einführung“ im Junius Verlag.
  Mit Giordano Brunos ‚coincidentia oppositorum’ arbeitete er sich vor 10 Jahren ganz gut entlang der Verwaisung Becketts. Rathjen weiss worüber er spricht, i.e. schreibt. Hier ist ein Liebhaber am Werk, ganz ohne Zweifel, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Titel jenes Buches erschien denn auch als ein unfreiwilliges Understatement.
  Die „Aufsätze zu Samuel Beckett“, so der Untertitel dieser kleinen feinen Sammlung von Texten aus einem Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren, bieten größtenteils Rezensionen zu Büchern von oder über Samuel Beckett, die nach dessen Tod am 22. Dezember 1989 erschienen. Rathjen schreibt aber auch mit einem in-depth-Wissen über Adornos Beckett-Lektüre, kritisiert die beiden biographischen Großversuche von Deirdre Bair und James Knowlson, wie auch jene lachhaft minimalistische Skizze von Alfred Simon, schreibt ein paar Worte zu Becketts Verdichtungen der Maximen Chamforts (deutsch unter dem Titel „Lang nach Chamford“ erschienen diese 2003 in der Übertragung von Wolfgang Held) oder auch über Becketts Essay „Die Welt und die Hose“.
  Er mäkelt zu Recht an der deutschen Kollektivübersetzung der Erzählungen „More Pricks than Kicks“ herum, die unter dem Titel „Mehr Prügel als Flügel“ in Deutschland erschienen – für ihn hätte eine Fassung betitelt „Mehr Schwänze als Tänze“ nahegelegen – um diese Erzählungen dann doch als Einstiegslektüre in das Werk dieses Autors dem geneigten Leser nahezulegen.
  Und dann findet sich noch ein ganzes Buch in diesem Buch, namentlich „Samuel Beckett & seine Fahrräder“, welches 1996 erschien. David Wheatly, ein irischer Dichter, befand anläßlich dieses Textes, Rathjen „surely deserves the maillot jaune of Beckett criticism“. Um den Kreis zu schliessen, beendet dieser sein Buch mit ein paar Zeilen, die beiläufig verweisen auf John Millington Synge: „ein echter Vorläufer Becketts.“
  Ehrfurchtslos und präzise setzt Rathjen all jene in Kenntnis, die ein klein bißchen mehr über diesen großen unbekannten Autor erfahren wollen. Rathjen tut dies diesseits des kakademischen Jargons. Einfach und schön zu lesen. Auf die neue rororo-Bildmonographie zu Samuel Beckett (eine erste erschien im März 1971 von Klaus Birkenhauer) aus der Feder von Friedhelm Rathjen darf man gespannt sein. Sie erscheint im Februar 2006.

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