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Arno Geiger
Es geht uns gut

Hanser
2005
388 Seiten
€ 21,50 [D] 22,10 [A] sFr 38,70


Von Alfred Ohswald am 31.10.2005

  Dieser Roman des Vorarlbergers Arno Geiger handelt von drei Generationen einer österreichischen - genauer gesagt - Wiener Familie.
  Der Angelpunkt ist dabei das Jahr 2001 und der Schriftsteller Philipp Sterk, von dessen Vorfahren in kurzen, meist nur einen Tag langen Rückblenden erzählt wird. Der weiteste Sprung zurück geht dabei ins Jahr 1938 zu seinen Großeltern Richard und Alma. Richard sollte es dann in der Nachkriegszeit bis zum ÖVP-Minister bringen, was aber im Buch kaum eine große Rolle spielt - fast immer geht es um Szenen im Familienleben. Ingrid, die Tochter Richards und Almas hat ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater wegen ihrer Beziehung zu ihrem späteren Mann Peter. Peters Eltern spielen übrigens kaum eine Rolle, nur in einer Rückblende in Peters frühe Jugend 1945 tauchen sie kurz auf. Ingrid kommt relativ früh bei einem Badeunfall ums Leben und Peter zieht ihre beiden Kinder Philipp – mehr oder weniger die Hauptfigur des Buches – und seine ältere Schwester allein auf.
  Während der Rückblenden in einen Tag der Vergangenheit bekommt man zwar doch irgendwie halbwegs die ganze Familiengeschichte mit, trotzdem bekommt man etwas das Gefühl, wegen der ziemlich landen Zeiträume, die dazwischen liegen,. einiges zu versäumen. Dafür sind die immer dazwischen geschobenen, ziemlich ereignislosen Abschnitte mit dem reichlich antriebslos vor sich hin lebenden Philipp nicht sonderlich interessant. Man wünscht sich unwillkürlich mehr Familiengeschichte und weniger vom Alltag des etwas kauzigen Philipp. Da rettet selbst Geigers Können als Autor nicht vor aufkommender Langeweile und man liest ungeduldig zur nächsten Rückblende. Dann passt dann alles ausgezeichnet zusammen, Geiger beschreibt in seiner gekonnten Sprache interessante Figuren und die ihnen unterlaufenden Schicksalsschläge, dass man nicht genug davon bekommen könnte und sich wieder durch einen Abschnitt mit Philipp zum nächsten interessanten und spannenden Kapitel durchschlägt.
  Geigers Stärke zeigt sich vor allem in seiner Beschreibung der Charaktere. Er versteht es wirklich, interessante Figuren zu schaffen und sie auch überzeugend und glaubhaft darzustellen. Lesenswert ist der Roman also sicher, nicht nur wegen des an ihn verliehenen Deutschen Buchpreises 2005.

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