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Aneta M. / Jürgen Roth
Gejagt von der Polenmafia
Aufgezeichnet von Jürgen Roth

Eichborn
2005
175 Seiten
€ 16,90 [D] 17,40 [A]


Von Alfred Ohswald am 24.10.2005

  Aneta M. fand mit Hilfe eines Journalisten Kontakt zu Jürgen Roth und erzählte ihm ihre Geschichte, den Weg von einer ziemlich normalen Kindheit in Polen bis zu ihren Verwicklungen in die Welt der organisierten Kriminalität. Obwohl intelligent und gut ausgebildet, zeigte sie sich im Umgang mit Kriminellen oft doch als reichlich naiv und geriet schließlich auf die Abschussliste und muss sich jetzt meist mit ihrer kleinen Tochter versteckt halten.
  Ihre meisten Erfahrungen sammelte sie für eine Doktorarbeit, die sich mit der Struktur und dem Funktionieren der Unterwelt in Polen beschäftigte. Dazu begab sie sich selbst in dieses Milieu, wurde Geschäftsführerin eines Lokals, dass Krimiellen gehörte und hatte schließlich auch eine kurze Beziehung zu einem hochrangigen Kriminellen, die in einer sehr kurzen Ehe und einer gemeinsamen Tochter endete.
  Als sie aber – nach Schwierigkeiten – ihre Informationen der Polizei zur Verfügung stellte begannen ihre Probleme erst richtig. Der Richter hielt sie für unglaubwürdig und ihr Leben war nicht mehr sicher.
 
  Aneta M. beschreibt ihr bisheriges Leben von der Kindheit bis zu diesem Zeitpunkt in einem schlichten, recht einfachen Stil. Es liest sich, wie der Bericht einer Privatperson ohne große Erfahrungen als Autorin und wirkt dadurch gleichzeitig ungekünstelt, streckenweise fast etwas holprig aber auch authentisch. Jürgen Roth hat scheinbar auch stilistisch relativ wenig zurechtgebügelt und diesen Bericht weitgehend unverändert niedergeschrieben.
  Er ist keines seiner sonstigen Aufdeckungsbücher, in denen er seine unfangreichen Erfahrungen und tiefergehenden Recherchen zu einem Buch über einen bestimmten Fall oder zu einem bestimmten Thema verarbeitet. Hier wird - ohne großes Pathos - das oft recht normal scheinende Leben eines weitgehend durchschnittlichen Menschen im kriminellen Milieu gezeigt. Die Szenen mit dem prügelnden Ehemann, an den Aeata in ihrer ersten Ehe gerät, erscheinen teilweise deutlich dramatischer, als der alltägliche Umgang mit hochgefährlichen Kriminellen. Die Banalität der Bösen bestätigt sich zumindest hier wieder, zumindest drängt sich dieser Eindruck auf. Obwohl sehr wohl deutlich gezeigt wird, dass Gewalt und Tod in diesem Umfeld ständig präsent sind.

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