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Iceberg Slim
Pimp
Story of my Life
(1967)

Europa Verlag
2004
Übersetzt von Bernhard Schmid
351 Seiten
€ 19,90


Von Alemanno Partenopeo am 22.10.2005

  Iceberg Slim aka Robert Beck aka Robert Lee Maupin verbrachte die erste Hälfte seines Lebens als Zuhälter, die zweite als Schriftsteller. Mit 18 Jahren begann Iceberg Slim mit seinem „Gewerbe“ in Chicago, wofür er mehrere Male im Gefängnis landete, was schließlich auch wesentlich zu seiner Läuterung zum Schriftsteller beiträgt. Als 42-jähriger entscheidet er sich dafür, seine Abenteuer nur mehr in seinen Büchern zu erleben. Dass sich auf Iceberg Slim unter anderem Ice-T und Ice-Cube berufen hat vor allen Dingen mit seiner erworbenen Street-Credibility zu tun. Slim begeisterte sich nach seiner Pimp-Karriere auch für die Black Panther Party. Er interpretierte seine „Pimp-y-ness“ als Revolte gegen die weiße Unterdrückung, was angesichts seiner persönlichen Bereicherung am ältesten Gewerbe der Welt die Panthers erschaudern ließ.
  Pimp ist eines der meistgelesenen Bücher schwarzer Autoren und es galt eigentlich seit seinem Erscheinen 1967 als unübersetzbar. Trotzdem gibt es das Buch heute in fast allen Sprachen, da es eines der repräsentivsten Werke der schwarzen Literatur der Sechziger ist. Aber kommen wir zum Inhalt: was ist eigentlich ein Pimp? Iceberg (nomen est omen!) weiß, dass sich ein Zuhälter keine Gefühle leisten kann, deswegen wird er auch Iceberg genannt. Seine Definition seines Berufes der Authentizität halber hier im Original: “(…)a pimp is happy when his whores giggle. He knows they are still asleep... All whores have one thing in common just like the chumps humping for the white boss. It thrills 'em
 when the pimps makes mistakes. They watch and wait for his downfall. A pimp is the loneliest bastard on Earth. He's gotta know his whores. He can't let them know him. He's gotta be God all the way.”
  Natürlich hat Iceberg Slim noch mehrere andere Bücher geschrieben, die ebenso autobiographisch wie authentisch sind und in die Literaturgeschichte eingingen. Seine Bücher sind auch Thema in Literaturvorlesungen an der Harvard-University. Deswegen hier ein kleiner Auszug aus dem Glossar und seinen kreativen Wortschöpfungen: bottom woman: pimp's main woman, his foundation; breaking luck: a whore's first trick of a working day; chili pimp: small-time, one whore pimp; jasper: lesbian; macking: pimping; square up: to get out of the life; to pull someone's coat: to inform and teach. Leider wird der Jargon von Iceberg-Slim auf Deutsch im Glossar aufgelistet und übersetzt, was sicherlich zu den Mankos des Buches gehört, denn dadurch geht der Lerneffekt verloren. (Wer möchte nicht in seinem Freundeskreis mit den neuesten Pimp-Vokabeln auftrumpfen?) Andererseits bedeutet genau dieses Manko auch die Stärke dieser Neu-Übersetzung, denn es gibt ja nichts Schwierigeres als amerikanischen Großstadt-Slang richtig resp authentisch ins Deutsche „rüberzubringen“. Wer sich also des Englischen nicht allzu mächtig fühlt, ist hier richtig aufgehoben, denn diese Übersetzung kommt so nahe ans Original dran wie es möglich ist.

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