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Noam Chomsky
Keine Chance für Frieden
Warum mit Israel und den USA kein Palästinenserstaat zu machen ist

Europa Verlag
2005
265 Seiten
€ 19,90


Von Alemanno Partenopeo am 22.10.2005

  Noam Chomsky war im März 2005 in Deutschland. Unter dem Titel „Illegal but legitimate: A dubious doctrine for the times" gab er einen Vortrag an der FU Berlin. Es ging vor allem um die Doktrin des präventiven Krieges, wie sie gegen den Irak angewandt wurde. Chomsky knöpfte sich aber nicht nur George W. Bush vor, sondern alle Präsidenten der Supermacht. Chomsky erinnert daran, dass die Präventivschlagdoktrin nicht von Bush oder den Neokonservativen erfunden wurde, sondern anscheinend schon immer die Grundregel amerikanischer Außenpolitik war. Chomsky verfolgte in seinem Vortrag diese Linie zurück bis zu Andrew Jacksons Indianerkriegen in Florida im 19. Jahrhundert. Die USA führten auch damals schon im Namen von Freiheit, Wohlstand und Demokratie Angriffskriege. Auch das NATO-Bombardement in Serbien unter Präsident Bill Clinton sei – laut Chomsky - ein illegaler Präventivschlag gewesen.
  Im vorliegenden Buch geht es auf Grundlage israelischer Dokumente, aber auch alternativer und vergrabener Quellen sowie eigener Reiseerfahrungen im Nahen Osten, aber um die israelische Politik gegenüber den Palästinensern. Auch hier kritisiert Noam Chomsky zuvorderst und vor allem die amerikanische Außenpolitik des 20. Jahrhunderts insgesamt und nicht die eines bestimmten Präsidenten.
  Noam Chomsky übt scharfe Kritik an der Palästina-Politik Israels und primär der USA. Bereits 1976 war auf syrischen Vorschlag die UN-Resolution 242 eingebracht worden und auf die darin enthaltene Zweistaatenlösung konnten sich alle vertretenen Konfliktparteien einigen, bis auf Israel und die USA. Aber auch die PLO und die arabischen Regierungen kommen bei Chomsky nicht gut weg, da sie selbstzerstörerische Maßnahmen vorschlagen. Noam Chomsky untersucht die Hintergründe.
  In der amerikanischen Öffentlichkeit wird der Konflikt zumeist ziemlich einseitig, und zwar zugunsten Israels, wahrgenommen. Chomsky beleuchtet nicht nur die israelische und die palästinensische Seite kritisch, sondern auch die Rolle der Amerikaner, die seiner Ansicht nach eine Schlüsselfunktion besitzt. Seiner Meinung nach seien die USA „statt zum Vermittler noch zum fatalen Verstärker der Konstellation geworden“. Chomsky schildere zunächst die Vorgeschichte des Nahostkonflikts, um dann auf die nunmehr über fünfzigjährige Geschichte des Staates Israel, seiner Kriege mit den arabischen Nachbarn Ägypten, Jordanien, Syrien und Libanon seiner Landnahmen und Annexionen bis etwa zum Ausbruch der zweiten Intifada im Jahr 2000 einzugehen. Da sich das politische System Israels und der USA innerhalb eines engen Mitte-Rechts-Spektrums bewege, gebe es laut Chomsky aber kaum einen Raum für wirkliche politische Alternativen. Die „kurze Chronologie des Nahostkonflikts“ am Ende des Bandes schafft zusätzlich Orientierung in einem scheinbar nie endenwollenden Konflikt. Im Vorwort zur deutschen Ausgabe des vorliegenden Buches wird auf das Werk und den Tod des jüngst verstorbenen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat ausführlich eingegangen.

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