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Gerhard Seyfried
Der schwarze Stern der Tupamaros

Eichborn
2005
335 Seiten
€ 19,90


Von Alemanno Partenopeo am 22.10.2005

  Gerhard Seyfried porträtiert in seinem zweiten Roman die Generation 68 bis hin zum Anbeginn der unpolitischeren 80er Jahre. Seyfried wird gerne als Chronist dieser Generation bezeichnet, allerdings kamen seine „Beschreibungen“ bisher im Gewande von Cartoons daher. Dass Seyfried vor allen Dingen Comiczeichner ist, merkt man leider auch seinem neuen Roman an. Zu farblos sind die beschriebenen Charaktere, die doch eigentlich die anarchische Energie dieser Aufbruchsjahre verkörpern sollten und auch die Liebesgeschichte wird nur marginal thematisiert, obwohl gerade diese dem Roman etwas mehr Leben einhauchen hätte können.
  Dennoch muss auf den ernsthaften Hintergrund des Buches und seine ehrlichen Absichten verwiesen werden, nämlich die Terroristenhatz in der Bundesrepublik in den Siebzigern und die Verwicklungen des Verfassungsschutzes (BfV) in dessen Aktivitäten. Das sogenannte „Celler Loch“ wird als nur ein Beispiel dafür zitiert, wie die Medien vom BfV oder dem BND bewusst desinformiert wurden, um insgesamt ein Klima der Angst und des Schreckens zu verbreiten. Oder waren es doch die Journalisten, die es mit der Wahrheit bekanntlich ja nicht so genau nehmen? „Bild macht blind!“ war nicht umsonst einer der meistzitierten Slogans dieser Dekade (und auch des Buches) und vielleicht liegt darin auch der Reiz dieses Buches, der zweifellos den authentischen Jargon dieser Generation widergibt. Eben für alle, die damals nicht dabei waren. Als 48er Jahrgang war Gerhard Seyfried selbst aber ein Zeitzeuge des „roten Jahrzehnts“(Gerd Koenen) und die Recherche, die er zur Niederschrift dieses Buches betrieben hat, will ihm auch keiner streitig machen.(Seyfried zitiert eine Menge Zeitungstexte, um seine Sicht der Dinge authentischer zu zeichnen.)
  Das dem Text angehängte Glossar gibt einen guten Überblick über die thematischen Vorlieben des Autors und vergisst nicht auf den Verweis auf aktuelle Homepages, die einen mit zusätzlichen Informationen versorgen. Dankbar kann man Seyfried auf jeden Fall für die Erwähnung des Falles „Giuseppe Pinelli“ sein. Der anarchistische italienische Eisenbahnarbeiter wurde als vermeintlicher Bombenleger einer Serie von Anschlägen in den Sechzigern vom verhörenden Kommissar aus dem Fenster gestossen und die gesamte italienische Linke erlebte eine Verfolgungswelle. Erst 1980 stellte sich schließlich heraus, dass für die Anschläge auf die italienischen Eisenbahnen die Geheimloge P2 verantwortlich zeichnete, eine krude Verschwörung aus Christdemokraten, Militär, Mafia und Neofaschisten. Silvio Berlusconi trägt – laut Seyfried - übrigens die Mitgliedsnummer 1816 bei der Loge P2. Wenn man die richtigen Freunde hat, kann man es eben auch als „einfacher Maurer“ zu etwas bringen.
  Wer linke Mythen, Verschwörungstheorien und politische Aufklärung liebt, der wird auch dieses Buch in sein Herz schließen.

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